Der dienstälteste Parlamentarier im US-Kongress, der Demokrat John Conyers, gibt nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung sein Mandat ab. "Ich gehe heute in den Ruhestand", sagte der 88-Jährige in einem Interview mit einem Radiosender aus Michigan.

Mehrere frühere Mitarbeiterinnen Conyers' werfen dem Abgeordneten vor, sie sexuell belästigt zu haben. Erst am Montag war ein weiterer Vorwurf einer ehemaligen Angestellten des Demokraten bekannt geworden, der zufolge er ihr in einer Kirche die Hand unter den Rock geschoben haben soll. Zudem wird er beschuldigt, öffentliche Gelder veruntreut zu haben. So soll Conyers mehrfach Geliebte auf Parlamentskosten auf seine Reisen mitgenommen haben.

Im Radiointerview schlug Conyers vor, dass sein bisheriges Mandat im Repräsentantenhaus von seinem Sohn übernommen werden soll. Sein Großneffe sagte der New York Times, dass auch gesundheitliche Gründe hinter dem Rücktritt stehen: So wolle Conyers auf Anraten seines Arztes nicht noch einen weiteren Wahlkampf absolvieren.

Bis zuletzt hatte Conyers die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Anschuldigungen bestreite er "ausdrücklich und vehement", sagte Conyers im November. Die aktuelle Debatte um Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfe gegenüber Schauspielern und Politikern verfolge er mit "Verwunderung". 

Conyers wurde 1964 ins Abgeordnetenhaus gewählt und zuletzt im vergangenen Jahr im Amt bestätigt. Conyers wurde durch seinen Kampf für Bürgerrechte Schwarzer Menschen bekannt. Er ist der letzte amtierende Kongressabgeordnete, der schon unter Ex-Präsident Lyndon B. Johnson (1963 bis 1969) in den Sechzigerjahren dem Repräsentantenhaus angehörte. Sein Vermächtnis könne durch die derzeitigen Vorgänge nicht "kompromittiert oder verringert werden", sagte Conyers.

Der Fall wird aktuell auch vom Ethikausschuss des Repräsentantenhauses untersucht. Die Parteiführung der Demokraten hatte Conyers zur Abgabe seines Mandats aufgefordert. Er ist einer von insgesamt vier Kongressmitgliedern, die zuletzt durch Vorwürfe der sexuellen Belästigung unter Druck gerieten. Auch dem Demokraten Al Franken (Minnesota) und den Republikanern Roy Moore (Alabama) und Blake Farenthold (Texas) wird sexueller Missbrauch vorgeworfen.