Alabama - Demokratischer Kandidat gewinnt Senatsnachwahl Überraschend hat der Demokrat Doug Jones in einer Nachwahl den Senatorensitz im US-Bundesstaat Alabama gewonnen. Unterlegen war der konservative Republikaner Roy Moore. © Foto: Marvin Gentry/Reuters

Auf dem Pferd kam Roy Moore zum Wahllokal in dem kleinen Örtchen Gallant, um seine Stimme abzugeben. Geschmückt war er mit Cowboyhut und Jeans. Der Auftritt sollte noch einmal zeigen, wofür der Hardliner aus Alabama steht: ein gottesfürchtiges, Waffen liebendes, einfaches Amerika, das sich vom fernen elitären Washington nicht sagen lässt, was es zu tun und zu lassen hat. Das ist die Formel, mit der die Republikaner in dem erzkonservativen Bundesstaat bislang Wahlen gewannen. Und auch Moore hatte mit ihrer Hilfe bis in den Senat in Washington reiten wollen.

Doch dann holte den Kandidaten seine Vergangenheit ein. Mehrere Frauen beschuldigten Moore, er habe sich sexuell an ihnen vergangen, als sie noch Teenager waren. Das hat offenbar viele Wähler im eigenen Lager abgeschreckt und die Gegenseite mobilisiert. Zum ersten Mal seit 25 Jahren konnte sich so mit Doug Jones ein Demokrat und kein Republikaner in Alabama durchsetzen. Die Nachwahl war nötig geworden, weil Jeff Sessions sein Mandat aufgeben musste, als er Justizminister wurde. "Wir haben es geschafft, den einen Kandidaten auszusuchen, der in Alabama gegen einen Demokraten verlieren kann", beschwerte sich der konservative Stratege Josh Holmes in der Washington Post. Jones kam auf 49,9 Prozent der Stimmen, Moore erhielt 48,4 Prozent – der Abstand betrug 20.000 Stimmen.

Für die Demokraten hat der Sieg auch eine große symbolische Bedeutung. Lange galt es als eine parteiinterne Formalität der Republikaner, wer neuer Senator von Alabama werden soll, so gering waren die Chancen auf einen Sieg der Demokraten. In dem gesamten Bundestaat hält die Partei kein einziges Amt, in den Parlamentskammern befindet sie sich in hoffnungsloser Minderheit. Doch der Überraschungserfolg bringt den Demokraten neuen Mut. Das könnte ihnen helfen bei ihrem Ziel, bei den Kongresswahlen im kommenden Jahr eine Mehrheit im Senat zurückzuerobern. Bislang galt das als nahezu ausgeschlossen, weil die anstehenden Wahlen fast ausschließlich in Bundesstaaten stattfinden, in denen Trump sich im vergangenen Jahr hatte durchsetzen können.

Mehrheit schrumpft auf eine Stimme

Für US-Präsident Donald Trump wird die Niederlage seiner Partei in Alabama nicht mal ein Jahr nach seiner der Amtsübernahme das Regieren erschweren. Mit dem Einzug von Doug Jones in den Senat schrumpft die ohnehin knappe Mehrheit der Republikaner auf eine einzige Stimme. Das gefährdet zahlreiche Vorhaben des Präsidenten. Die Demokraten drängten am Abend bereits darauf, Jones noch vor einer endgültigen Abstimmung über die geplante Steuerreform in den Senat zu berufen.

Zudem hat die Niederlage der Republikaner im eigentlich als sicher geltenden Alabama den tiefen Graben offenbart, der sich seit dem Wahlsieg Donald Trumps durch die Partei zieht. Breitbart-Chef Stephen Bannon hatte Moore als Kandidaten in Alabama durchgesetzt. Damit wollte er das populistische Lager der Republikaner gegen das gemäßigtere Parteiesablishment um Mitch McConnell stärken. Doch die Positionen von Moore waren besonders extrem, er setzte sich etwa für ein Verbot von Homosexualität ein und wollte Muslime aus dem Senat verbannen. Das scheint selbst für einige Parteifreude zu radikal gewesen zu sein.