Mateusz Morawiecki soll neuer Regierungschef Polens werden. Der bisherige Wirtschafts- und Finanzminister soll Beata Szydło ersetzen. Die Ministerpräsidentin von der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hatte zuvor zwar ein Misstrauensvotum im Parlament überstanden, der Parteispitze aber kurz darauf ihren Rücktritt angekündigt.

Parteisprecherin Beata Mazurek erklärte, Szydlo habe die Entscheidung nach Beratungen am Sitz der Partei in Warschau getroffen. Die Parteiführung wünsche sich jedoch, dass sie andere wichtige Regierungsämter behalte. Einzelheiten nannte die Sprecherin nicht.

Über einen Rücktritt Szydłos war wochenlang spekuliert worden, obwohl ihre Regierung bei den Polen beliebt ist. Regierungskritiker bezeichneten den Machtwechsel als reines Ablenkungsmanöver. Er solle die Aufmerksamkeit ablenken von einer Abstimmung über Gesetze, die der Regierungspartei Einfluss auf die Justiz verschaffen würden.

Die populäre 54-Jährige war Kaczynski politisch treu ergeben, doch hatten sich in letzter Zeit die Anzeichen vermehrt, dass sie nicht mehr sein volles Vertrauen genießt. Ihr Verhältnis zur deutschen Bundesregierung war frostig. In Brüssel stand Szydło allein, als sie die Wiederwahl ihres liberalen Vorgängers Donald Tusk zum EU-Ratspräsidenten nicht verhindern konnte.

Der 49-jährige Morawiecki gilt vielen als eines der kompetentesten Mitglieder der Regierung. Bevor die PiS 2015 an die Regierung kam, hatte er die spanische Bank Santander in Polen geleitet. Er genießt das Vertrauen von Parteichef Jarosław Kaczyński.