Die Vereinten Nationen haben im Kontext der Rohingya-Verfolgung in Myanmar erstmals den Begriff des Völkermords verwendet. UN-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein sprach bei einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf von "weit verbreiteten, systematischen und entsetzlich brutalen" Attacken gegen die muslimische Minderheit Myanmars. "Wenn man all dies betrachtet, kann irgendjemand ausschließen, dass Elemente von Genozid vorliegen?", fragte al-Hussein.

Wie die US-Regierung haben auch die Vereinten Nationen in Zusammenhang mit der Verfolgung bislang immer von ethnischer Säuberung gesprochen. Der UN-Menschenrechtskommissar berichtete in seiner gut 20-minütigen Rede in Genf von fürchterlicher Gewalt gegen die muslimische Minderheit. Die Rohingya würden regelrecht "entmenschlicht".

Einsatzkräfte Myanmars hätten sich an der Ermordung von Erwachsenen und Kindern und der Vergewaltigung von Frauen und Mädchen beteiligt, sagte al-Hussein. Menschen seien in ihren Häusern verbrannt sowie Schulen und Moscheen zerstört worden. Zudem seien die Rechte von Rohingya in Myanmar zunehmend eingeschränkt. Mitgliedern der Minderheit würden die Staatsangehörigkeit oder Geburtsurkunden verwehrt.

Der UN-Menschenrechtskommissar forderte von der UN-Vollversammlung eine neue, "unparteiische und unabhängige" Untersuchung der Lage der Rohingya zusätzlich zu einer bereits bestehenden Mission seines UN-Menschenrechtsbüros.

Die Rohingya werden in Myanmar systematisch verfolgt, mehr als 620.000 Angehörige der Minderheit flüchteten in den vergangenen Monaten ins verarmte Nachbarland Bangladesch. Die Armee in Myanmar weist die Vorwürfe zurück, UN-Experten durften bisher nicht in das Land reisen, um den Vorwürfen nachzugehen.