Im neuen österreichischen Kabinett werden rechtspopulistische Politiker Schlüsselpositionen übernehmen. Die rechtspopulistische FPÖ erhält sechs Ministerien, nur eines weniger als die konservative ÖVP. Dazu stellen beide Parteien je einen Staatssekretär beziehungsweise eine Staatssekretärin. Die ÖVP, die bei der Wahl als Liste Sebastian Kurz – Die neue Volkspartei (ÖVP) antrat, hat im Oktober 31,5 Prozent der Stimmen erhalten, die FPÖ kam auf 26 Prozent.           

Das Innenministerium und das Ministerium für Landesverteidigung gehen an FPÖ-Politiker, die als rechtsaußen gelten. Innenminister wird Herbert Kickl, der seine Karriere als Redenschreiber für den früheren Parteichef Jörg Haider begann. Bekannt wurde er mit Wahlkampfslogans wie "Daham statt Islam", "Pummerin statt Muezzin" oder "Abendland in Christenhand". Im Jahr 2009 warnte er im Wahlkampf vor einem EU-Beitritt Israels, der allerdings nie zur Debatte stand. Im vergangenen Jahr nahm er an einem Kongress der sogenannten Verteidiger Europas in Linz teil, der neurechte und rechtsextreme Vordenker versammelte. 

Wie die Zeitung Kurier berichtet, erhält Kickl auf Drängen des grünen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen die ÖVP-Staatssekretärin Karoline Edtstadler als "Aufpasserin" zur Seite gestellt. Sie soll sich unter anderem um Korruptionsbekämpfung und das Gedenkwesen, etwa die KZ-Gedenkstätte Mauthausen, kümmern.

Minister für Landesverteidigung wird Mario Kunasek, ein Stabsunteroffizier und FPÖ-Politiker. Ihm werden Kontakte zur Identitären Bewegung und zu anderen rechtsextremen Gruppen nachgesagt. Im Januar 2016 forderte er auf seiner Facebook-Seite eine Ausgangssperre für Asylbewerber. Minister für Infrastruktur wird der FPÖ-Politiker Norbert Hofer, der 2016 die Bundespräsidentenwahl gegen Van der Bellen verlor.

Vizekanzler wird – das war bereits am Wahlabend klar – Heinz-Christian Strache. Seine früheren Kontakte ins ultrarechte Lager stellt der 48-jährige FPÖ-Chef als Jugendsünden dar. Wegen Wehrsportübungen mit später verurteilten Rechtsextremisten wurde gegen ihn eine Anzeige wegen des Verdachts der nationalsozialistischen Wiederbetätigung erstattet. Bei einer Neonazi-Veranstaltung in Deutschland wurde er vor drei Jahrzehnten festgenommen.

Van der Bellen mahnt europafreundlichen Kurs an

Außenministerin wird die Nahostexpertin und studierte Arabistin Karin Kneissl, die zwar parteilos ist, aber von der FPÖ nominiert wurde. Sie gilt als proeuropäisch. Allerdings hat sie auch schon mit scharfer EU-Kritik, Sympathie für die Unabhängigkeit Kataloniens und kontroversen Aussagen zum Thema Migration für Aufmerksamkeit gesorgt. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 behauptete sie, dass es sich bei den Neuankömmlingen größtenteils um Wirtschaftsflüchtlinge handle. 

Auf Twitter mahnte Präsident Van der Bellen eine proeuropäische Ausrichtung der neuen Regierung an. Sowohl Kurz als auch Strache hätten ihm versichert, dass Österreich ein starkes Land im Herzen Europas sei und weiterhin bleibe. Van der Bellen will nach eigenen Aussagen vor der geplanten Vereidigung Anfang kommender Woche alle vorgeschlagenen Minister noch persönlich kennenlernen. Zwar hat er das Recht, einzelne Minister abzulehnen, er sagte aber bereits, dass der Vereidigung "nichts im Wege" stehe. Früher hat er sich deutlich kritischer über eine Regierungsbeteiligung der Rechtspopulisten geäußert.

Neben den Rechtspopulisten fallen die politischen Quereinsteiger im Kabinett auf. Kurz hatte 50 Prozent Frauenanteil und zwei Drittel Experten angekündigt. So wird etwa der Versicherungsmanager Hartwig Löger Finanzminister. Der bisherige Chef des Versicherungskonzerns Uniqa folgt dem bisherigen Finanzminister Hans Jörg Schelling. Alle ÖVP-Minister in der aktuellen großen Koalition verlieren ihre Posten – bis auf den ehemaligen Außenminister und designierten Kanzler Kurz.