In Peru hat die Begnadigung des inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori nach weniger als der Hälfte seiner Haftzeit Proteste ausgelöst. Präsident Pedro Pablo Kuczynski hatte den 79-Jährigen begnadigt, teilte die Präsidialkanzlei mit. Zur Begründung wurde auf dessen schlechten Gesundheitszustand verwiesen. Fujimori soll herzkrank sein. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Fujimori ist der Sohn nach Peru emigrierter Japaner und war von 1990 bis 2000 dort Präsident. Er führte das Land autoritär und wurde 2007 nach zwischenzeitlicher Flucht nach Japan zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die Justiz war zu dem Ergebnis gekommen, dass er unter anderem Todesschwadronen befehligt hatte und an der Entführung eines Journalisten beteiligt gewesen war. Zudem soll er andere Politiker bestochen haben.

Alberto Fujimori - Proteste in Peru nach Begnadigung von Ex-Präsident In Peru hat Präsident Pedro Pablo Kuczynski den inhaftierten früheren Staatschef Alberto Fujimori begnadigt und damit Proteste ausgelöst. Kuczynski begründete den Schritt mit dem schlechten gesundheitlichen Zustand des Ex-Präsidenten. © Foto: REUTERS/Guadalupe Pardo

Während seiner Amtszeit ließ Fujimori Einsatzkräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen. Auch das Parlament wurde entmachtet. Ebenfalls während Fujimoris Amtszeit wurden Zehntausende indigene Frauen zwangssterilisiert, um ihre Kinderzahl zu reduzieren. Sie wurden als Entwicklungshemmnis für Peru gesehen.

Das Land sah sich während Fujimoris Amtszeit mit dem Terror der Organisation Leuchtender Pfad konfrontiert. Weil er die Gruppe hart bekämpfte, hat der Ex-Präsident bis heute viele Anhänger. Auch eine Wirtschaftskrise im Land konnte Fujimori beenden.

In Lima löste die Nachricht von der Begnadigung an Weihnachten umgehend Straßenproteste aus. Rosa Rojas, die Mutter eines Jungen, der bei einem Fujimori zur Last gelegten Massaker starb, rief vor dem Haus Kuczynskis: "Ich kann meinen Jungen nicht vergessen, gerade nicht heute an Weihnachten." Die Polizei setzte Tränengas ein. Auch in sozialen Medien entlud sich der Zorn über den Präsidenten. Kuczynski ist ebenfalls 79 Jahre alt und Sohn eines vor den Nazis geflüchteten deutschen Tropenarztes.

Fujimoris Familie dankt dem Präsidenten

Kritiker warfen Kuczynski vor, nur den eigenen Machterhalt im Blick zu haben. Der Präsident war erst vor wenigen Tagen einem Verfahren zur Amtsenthebung wegen eines Bestechungsskandals überraschend entgangen. Gerettet hatte ihn unter anderem die Unterstützung der größten Oppositionspartei, die von Fujimoris Tochter Keiko geführt wird. Auch Alberto Fujimoris Sohn Kenji hat zuletzt die Verbindung der Opposition zu Kuczynskis Partei gestärkt. Kuczynski kann seine Amtszeit nun bis 2021 weiterführen.

Kuczynski regiert das Land seit 2016 mit einer Mitte-Rechts-Regierung. Im Wahlkampf hatte der ehemalige Wall-Street-Banker noch versprochen, Fujimori nicht zu begnadigen. Seine Entscheidung vom Sonntag könnte ihn nun zu einer Kabinettsumbildung zwingen, da zwei Mitglieder seiner aktuellen Regierung nach Angaben von Insidern aus Protest gegen die Begnadigung ihren Rücktritt einreichen wollen.

Kenji Fujimori twitterte: "Ich möchte im Namen der Familie Fujimori dem Präsidenten Kuczynski für die noble und große Geste danken." Trotz der Konflikte mit ihrem Bruder wegen der gescheiterten Absetzung begrüßte auch Keiko Fujimori die Entscheidung. "Heute ist ein großer Tag für meine Familie", sagte sie. "Das ist eine Weihnacht der Hoffnung und Freude." Die Familie prägt seit Jahrzehnten die Politik Perus.