Russland hat neun Medien zu "ausländischen Agenten" erklärt. Das teilte das Justizministerium auf seiner Website mit. Unter den betroffenen Medien sind demnach der offizielle staatliche Auslandssender der USA, Voice of America, sowie der vom US-Kongress finanzierte Sender Radio Free Europe/Radio Liberty (russisch: Radio Swoboda). Die russische Regierung wirft den Medien vor, "die Funktionen eines ausländischen Agenten auszuüben".

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte im November ein neues Mediengesetz unterzeichnet, das die Einstufung ausländischer Anstalten als Agenten ermöglicht. Die betroffenen Einrichtungen müssen ihre Finanzierung offenlegen und den Behörden vollständigen Einblick in ihre Aktivitäten gewähren.

Mit dem neuen Gesetz und der Einstufung der US-Medien als Agent reagiert Russland auf einen ähnlichen Schritt der USA. Das US-Justizministerium hatte den russischen Fernsehsender RT (früher Russia Today) Anfang November dazu gedrängt, sich als "ausländischer Agent" registrieren zu lassen. Die Regierung in Washington hatte dem staatlich kontrollierten Sender vorgeworfen, Falschmeldungen und russische Propaganda in den USA zu verbreiten. Putin hatte damals von einem Angriff auf die Meinungsfreiheit gesprochen – und einen vergleichbaren Schritt seiner Regierung angekündigt.

Sowohl die USA als auch Russland verfügten bereits über Gesetze, nach denen sich ausländische Akteure als Agenten registrieren lassen müssen. Die Registrierung von RT in den USA erfolgte auf Grundlage eines Gesetzes, das hauptsächlich ausländische Lobbyisten betrifft, die die politischen Interessen ihres Heimatlandes in den USA vertreten. Jene Vertreter sind dazu verpflichtet, ihre Tätigkeiten offenzulegen und sich anzumelden.

Auch in Russland existierte bereits ein ähnliches Gesetz. Es klassifiziert Nichtregierungsorganisationen (NGOs) als "ausländische Agenten" und zwingt sie zur Offenlegung ihrer Finanzen. Viele NGOs in Russland haben ihre Aktivitäten wegen der intensiven Überwachung inzwischen eingestellt. Bereits seit 2014 dürfen ausländische Investoren nur noch einen Anteil von 20 Prozent an russischen Medienunternehmen halten.