Die US-Botschaft in Israel wird nach Angaben von US-Außenminister Rex Tillerson "wahrscheinlich" nicht vor 2019 nach Jerusalem verlegt. "Das ist nichts, was dieses Jahr geschieht, und wahrscheinlich auch nicht nächstes Jahr", sagte der US-Außenminister nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Jean-Yves Le Drian in Paris. Es seien Genehmigungen nötig und das Gebäude der diplomatischen Vertretung müsse erst gebaut werden. Allerdings wolle US-Präsident Donald Trump, "dass wir auf sehr konkrete und entschlossene Art vorankommen".

Trump hatte Jerusalem am Mittwoch offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt und angeordnet, sofort mit den Vorbereitungen für den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen. Regierungen zahlreicher Länder kritisierten den Schritt, darunter viele US-Verbündete. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, Frankreich, Deutschland und Großbritannien distanzierten sich von Trump.

Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas rief als Reaktion zu einer neuen Intifada auf – Trumps Entscheidung komme einer "Kriegserklärung gegen die Palästinenser gleich". Bei den ersten beiden Aufständen 1987 bis 1993 und 2000 bis 2005 gab es Massenproteste, Wirtschaftsboykotte und Straßenkämpfe in den Palästinensergebieten sowie Angriffe und Selbstmordanschläge innerhalb Israels. Die militärischen Möglichkeiten der Hamas sind heute begrenzter als damals. Angreifen könnte die Hamas vor allem mit ihrem großen Raketenarsenal, über das die Organisation im Gazastreifen verfügt. Das israelische Militär verstärkt nun seine Truppen im Westjordanland.

Es wird befürchtet, dass es nach den Freitagsgebeten zu Ausschreitungen kommen könnte. Erste gewaltsame Proteste gab es bereits. Hunderte Palästinenser lieferten sich im Westjordanland und im Gazastreifen Konfrontationen mit israelischen Sicherheitskräften. Nach Angaben der israelischen Armee warfen Demonstranten Steine und brennende Autoreifen auf israelische Soldaten. 

Der endgültige Status von Jerusalem ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine Hauptstadt, während die Palästinenser den 1967 von Israel eroberten Ostteil als Hauptstadt eines künftigen unabhängigen palästinensischen Staats betrachten.