Draußen vor der syrischen Botschaft in Berlin ist noch etwas Zeit für eine Zigarette und einen Plausch. "Sie sind nett, guter Service, das ist anders als früher", sagt einer der jungen Männer. Ein anderer meint: "Sie sind genauso beschissen wie immer, sie haben sich nicht verändert."

Es ist ein sonniger Herbstnachmittag. Zu Dutzenden strömen die Menschen durch die Seiteneingänge in den Warteraum, wo sie vor einem Porträt des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sitzen. Männer scherzen und drängeln, Mütter nehmen kleine Kinder bei der Hand, ein runzeliger Alter wird die kurze Treppe zur Lobby hochgehievt. Hinter seinem Schreibtisch kaut ein Mitarbeiter der Botschaft Nüsse und gibt schroffe Anweisungen.

"Zählt es ab dem Zeitpunkt, wo ich meine Aufenthaltserlaubnis bekommen habe?", will ein Neuankömmling wissen. "Ab da, wo Sie Syrien verlassen haben", bellt der Mann von der Botschaft. Der Fragende gibt zu bedenken, er habe Syrien illegal verlassen, und bekommt für seine Offenheit zur Antwort: "Sie müssen ihren Status korrigieren. Drücken Sie Nummer drei, besorgen Sie eine Kopie Ihres Passes und warten Sie, bis Sie dran sind."

Warteraum in der syrischen Botschaft in Berlin © Sally Hayden

Sie haben die Gefahren des syrischen Kriegs hinter sich gelassen: Granaten, Fassbomben, Scharfschützen, die wahllos Zivilisten ins Visier nehmen, oder auch den Militärdienst für ein Regime, mit dem sie nichts verbindet. Sie haben die gefährliche Reise auf sich genommen, um Europa zu erreichen, die Bilder aus 2015 sind nicht vergessen: von den kaum schwimmfähigen Booten nach Griechenland über die Zusammenstöße an der mazedonischen Grenze und das ewige Warten auf die Züge in Budapest bis zu den überfüllten Unterkünften am Ziel. Die Debatte über die Integration der Flüchtlinge und darüber, welche Unterstützung sie bekommen und wie die Ankunft einer halben Million Männer, Frauen und Kinder die europäische Kultur verändert, ist noch lange nicht beendet.

Zwei Jahre später ist außerdem ein viel kleineres, aber ebenso bedeutendes Phänomen zu beobachten: eine Migrationsbewegung in die entgegengesetzte Richtung.

Während unserer Recherchen auf drei Kontinenten innerhalb von vier Monaten haben wir mit vielen syrischen Flüchtlingen in Deutschland, Großbritannien, Irland, der Türkei, im Sudan und in Syrien gesprochen: Menschen, die entweder planten, in ihre Heimat zurückzukehren, einen Teil der Reise bereits hinter sich hatten oder dort wieder angekommen waren, wo noch immer Krieg herrscht. Wir haben Hunderte von Beiträgen in Online-Gruppen gelesen, von Syrern in ganz Europa, die über diesen Weg diskutieren. Konzentriert haben wir uns dabei auf Flüchtlinge, die Deutschland wieder verlassen wollen oder es bereits getan haben, doch unsere Recherchen zeigen, dass Syrer in vielen europäischen Ländern ähnlich denken, etwa in Schweden, Dänemark oder Österreich.

Wir wollen erklären, warum einige Syrer wieder gehen, die Routen beschreiben, die sie nehmen, und zeigen, wie es ihnen nach der Ankunft in der Heimat ergehen kann.

"Vergeude nicht deine Zukunft"

Mustafa treffen wir zwei Tage vor seinem 18. Geburtstag. Zwei Tage bevor er erwachsen wird und damit die Möglichkeit verliert, seine Familie zu retten. Er lebt zu diesem Zeitpunkt seit zwei Jahren in Stuttgart, spricht fließend Deutsch, doch der syrische Teenager ist nicht als Flüchtling anerkannt. Mustafa glaubt, die Behörden verzögerten die Prozedur vorsätzlich, um ihn davon abzuhalten, den Nachzug seiner Familie nach Deutschland zu beantragen.

Mustafa, kurz vor seinem 18. Geburtstag in Stuttgart: "Ich habe meine halbe Kindheit im syrischen Krieg verloren, und ich habe die andere Hälfte verloren, weil ich von meiner Familie getrennt bin." © Sally Hayden

"Ich habe meine halbe Kindheit im syrischen Krieg verloren, und ich habe die andere Hälfte verloren, weil ich von meiner Familie getrennt bin", sagt Mustafa, und man spürt die Trauer, als wir im September mit ihm sprechen. Jede Woche ermutigt ihn sein Vater durchzuhalten. "Vergeude nicht deine Zukunft", herrscht er den Jungen in diesen WhatsApp-Gesprächen an. Für einige von Mustafas Freunden, ebenso jung und allein in einem Land Tausende Kilometer von zu Hause, ist die Entfernung schon unerträglich geworden. "Ich kenne viele, die zurückgegangen sind", sagt er.

Sich als Flüchtling wieder auf den Weg in die Heimat zu machen, ist nicht ungewöhnlich. In Deutschland gibt es mehr als 1.000 Zentren zur Rückkehrberatung für Flüchtlinge, die diesen Schritt in Erwägung ziehen. Die meisten Angebote in dieser Richtung macht nicht der Staat, sie sind auch unabhängig vom Asylverfahren. Trotzdem kommen manche Flüchtlinge damit durcheinander und riskieren so ihren Status. Wir kennen Fälle, in denen das Antragsverfahren zumindest vorläufig gestoppt wurde, nachdem Bewerber im Asylgespräch gesagt hatten, sie wollten wieder nach Hause. Viele befinden sich in einer ausweglosen Situation: Ohne Papiere können sie das Land nicht verlassen, und hier dürfen sie weder arbeiten, noch Frau oder Kinder nachholen, was ihre größte Hoffnung war.

Auf dem Höhepunkt des Kriegs entschlossen sich viele syrische Familien, die nicht viel Geld hatten, nur einen vorzuschicken: meist den Mann oder einen Sohn. Sobald sie es nach Europa geschafft hatten, sollten die dann den Nachzug beantragen für die Frau, Eltern, Kinder oder Geschwister – und so der ganzen Familie die Flucht ermöglichen.

"Wenn das Regime weg ist, werde ich hundertprozentig zurückgehen"

Zerstörter Straßenzug im syrischen Homs © Sally Hayden

In Deutschland haben sich die Bedingungen im vergangenen Jahr verändert. Zuvor erhielten Syrer leicht Asyl, inzwischen bleibt es in der Regel beim subsidiären Schutz, also einer temporären Aufenthaltserlaubnis, und sie müssen mindestens zwei Jahre warten, bis sie den Familiennachzug beantragen können. Auch verändert hat sich, welche Familienmitglieder berechtigt sind, nach Europa zu folgen. Unter 18-Jährige können nun lediglich ihre Eltern nachholen, die Flucht bedeutet für sie oft, Geschwister im Krieg zurückzulassen. Patricia Söltl, die in Stuttgart eine Refugees-Welcome-Gruppe organisiert und Flüchtlinge berät, berichtet von einem Fall, in dem ein minderjähriger Junge wegen dieser Änderung nach Syrien zurückgekehrt ist: "Er hat seine Familie so sehr vermisst."

Viele junge Syrer sind in derselben Situation, ohne Betreuung suchen sich manche andere Wege, um damit zurechtzukommen. Wir wissen etwa von einem 15-Jährigen, dessen Vater ihn nach Hama in Syrien zurückrief, nachdem der Teenager Probleme mit Drogen hatte. Ältere Syrer haben ebenso Schwierigkeiten, wirklich anzukommen. Verbreitet ist etwa die Sorge, welche Auswirkungen die deutsche Kultur auf die eigenen Kinder haben wird, und damit verbunden die Angst, ob die deutschen Behörden einem die Kinder wegnehmen, falls es Probleme gibt.

Für jene, die in Syrien einen gewissen Reichtum gewöhnt waren, kann der Statusverlust schwer zu verarbeiten sein. In Hannover sprechen wir mit einem ehemaligen Millionär, dem sechs Immobilien gehörten. "Der eine Laden hätte schon gereicht, damit meine Familie wie ein König lebt", erinnert er sich an frühere Zeiten. Das Letzte, was er von seiner Fabrik und dem Lagerhaus im belagerten Damaszener Stadtteil Jobar gesehen hat, ist ein Video der zu Trümmern gebombten Straße auf Facebook. Seine drei erwachsenen Kinder sind in Deutschland angekommen, er aber träumt davon, sein Geschäft zu Hause wieder zu eröffnen. "Ich will keine Belastung für die deutsche Regierung sein", sagt der Mann. "Wenn das Regime weg ist, werde ich hundertprozentig zurückgehen."

In Syrien war dieser Mann Millionär. Auf dem Handy zeigt er, was von seinem Laden im belagerten Damaszener Stadtteil Jobar übrig geblieben ist. © Sally Hayden

Viele Syrer erleben Diskriminierung und Vorurteile. "Das Ansehen der Flüchtlinge hat sich verschlechtert", sagt ein 26-jähriger Wirtschaftsabsolvent aus Damaskus, der in Deutschland jetzt als Wachmann in der Security-Branche arbeitet. Er hat bereits einen Versuch unternommen, den Rückweg anzutreten. Vergangenes Jahr wollte er zunächst in den Libanon fliegen, wurde aber am Frankfurter Flughafen abgewiesen, weil er kein Visum hatte. Über seine Gründe sagt er: "Mit all den Geschichten, die wir über den IS hören, den Anschlägen in Frankreich – ich habe einfach immer das Gefühl, unter Verdacht zu stehen." Der Onkel des jungen Mannes hat Deutschland bereits den Rücken gekehrt. Seit Mitte 2016 arbeitet er wieder in seinem Elektroladen in Damaskus. "In Deutschland fehlte ihm etwas, er war nicht mehr er selbst. Er glaubte, er könne nie wieder Freunde finden, wie er sie hatte, keinen Job, er war komplett verloren."

Manchmal ist der Anlass für die Rückkehr ein trauriger, etwa wenn Alter oder Krankheit eine Rolle spielen. Ein letztes Lebewohl für seine Mutter war etwa einem syrischen Flüchtling wichtiger als die Chance auf ein Visum für die Niederlande. Er machte sich auf den Weg zurück in die Türkei, wo die Mutter geblieben war: "Sie wollte zurück nach Syrien, um zu sterben", sagt der Sohn. Wie es für ihn dort weitergeht und ob er zurück nach Europa kann, ist schwer zu sagen. Jenseits der Grenze schaffte es seine Mutter ins syrische Idlib, wo sie nun wieder den Beschuss der Regierungskräfte und die Kämpfe zwischen den Dschihadistengruppen durchlebt, die dort jetzt die Kontrolle haben – aber das ist ihr egal.

"Du wirst es bereuen, wenn du zurückgehst"

Ob man sich mit Papieren oder ohne auf die Rückreise macht und auch mit welchen Papieren – das kann sich entscheidend auf den Ausgang auswirken. Während einige syrische Flüchtlinge in Deutschland ihre Pässe an die Behörden abgeben, dürfen andere sie behalten. Wer seine Papiere nicht mehr hat, für den ist die Entscheidung nicht leicht, ob er sich einen neuen syrischen Pass ausstellen lassen soll – schon weil das einige Hundert Euro kosten kann. Zudem bringen sich die Syrer, die in dieser Absicht die Botschaft aufsuchen, – oft ohne es zu wissen – rechtlich in eine schwierige Lage. Es kann den Ausschlag dafür geben, dass ihre Asylanträge scheitern. Die Fälle würden individuell entschieden, beteuert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), bestätigt aber die Rechtslage: Syrer, die ihre Papiere erneuern oder andere Schritte ergreifen, um sich unter den Schutz des Landes zu stellen, dessen Nationalität sie besitzen, verlieren ihren Flüchtlingsstatus. Dennoch, berichten uns einige Flüchtlinge, werden manche auch von deutschen Behörden gebeten, zur Botschaft zu gehen: etwa um ein neugeborenes Baby zu registrieren.

Die Frage der Papiere kann spätestens dann entscheidend sein, wenn der Krieg in Syrien wirklich einmal zu Ende geht. Die AfD geht bereits davon aus und fordert die Rückführung der Syrer aus Deutschland. Und auch andere Parteien denken darüber nach, welche Anreize sie schaffen können, um eine freiwillige Rückkehr zu fördern. Viele Syrer, mit denen wir gesprochen haben, sind besorgt über solche politischen Veränderungen. Sie sagen, sie hätten wenig Grund, irgendeinem Staat zu vertrauen, und hielten es für besser, sich alle Optionen offenzuhalten. "Jetzt behandeln sie uns gut hier, aber wir wissen nicht, wie es in Zukunft sein wird", sagt einer.

"Es gibt Erwartungen, und es gibt die Realität", sagt Walid Chahrour, Leiter des Beratungs- und Betreuungszentrums für junge Flüchtlinge und Migranten (BBZ) in Berlin. Seine Arbeit hat sich verändert: Es geht nicht mehr nur um Asylanträge, sondern er berät nun auch Menschen, die wieder gehen wollen. 2015 seien die Flüchtlinge auf ein völlig überfordertes System in Deutschland gestoßen, das habe beengte Lebensumstände und große Verzögerungen bei der Bearbeitung ihrer Anträge bedeutet – etwas völlig anderes als sie erwartet hatten. "Einige Syrer, die zu uns kommen, sagen, sie hätten in ihrem ganzen Leben nur drei Briefe per Post bekommen. Hier haben sie dann in vier Monaten 450 Briefe bekommen, die meisten vom Jobcenter. Der Ton ist bedrohlich. Durch all das bekommen die Leute Angst, und sie kommen damit nicht zurecht."

Wir treffen Chahrour im zweiten Stock des BBZ, als er gerade einen Flüchtling auf dem Flur warnt: "Du wirst es bereuen, wenn du zurückgehst."

Ein langer Weg, bis sie sich wieder in die Arme schließen konnte: Mohammed Ma'rouf mit seiner Familie in Khartum, Sudan. © Sally Hayden

Chahrour erkämpfte im vergangenen Jahr in einem der ersten Fälle, dass syrische Flüchtlinge ihre Papiere vom Staat zurückerhielten, damit sie das Land wieder verlassen konnten. Einem der drei Brüder in der Familie, dem Konditor Mohammed Ma'rouf, war eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis verweigert worden. Für ihn bedeutete das, dass er keinen Familiennachzug beantragen und auch seine deutschen Papiere nicht benutzen konnte, um zu den anderen zurückzukehren. Dreimal versuchte er, in den Sudan zu gelangen – eines der wenigen Länder, in das Syrer ohne Visum einreisen können –, aber jedes Mal wurde er am Flughafen abgewiesen. Als das Gericht entschied, dass er seine Papiere zurückbekommt, reiste Ma'rouf sofort in die sudanesische Hauptstadt Khartum und suchte sich dort Arbeit.

Monate später hatte er genug Geld beisammen, um einem Schleuser 1.250 Dollar zu bezahlen, damit er seine Frau und die vier jungen Töchter aus dem belagerten Ostghouta in Syrien durch einen Tunnel herausschaffte. "Es ist eine Erleichterung, wieder zusammen zu sein", sagt Ma'rouf, als wir ihn im Juli im Sudan treffen, es ist gerade zehn Tage her, dass er sie hier wieder in die Arme schließen konnte. "Als ich in Deutschland war, habe ich mir jeden Tag Sorgen um die Sicherheit meiner Familie gemacht, aber jetzt weiß ich, dass es ihnen gut geht."

Warum eine Wohnung möblieren, wenn er seine Kinder retten könnte?

Sengar hatte dasselbe Ziel: Vor allem wollte er seine Kinder retten. Als die Kämpfe heftiger wurden, riefen sie ihn aus dem syrischen Deir al-Sur an: Sie würden belagert, der IS sei in der Nähe, sie könnten ihr Haus nicht verlassen, sie seien hungrig. Keiner der vier Teenager hat einen Pass, ebenso wenig ihre Mutter. Selbst wenn sie einen besäßen, es gäbe keine Chance, eine deutsche Botschaft zu erreichen – was nötig wäre, um den Prozess des Familiennachzugs zu durchlaufen, der sie nach Europa bringen könnte. Sie könnten sich nicht einmal von einer Straße in die nächste bewegen, sagt er uns. Draußen lägen überall Minen. Und auch im Haus lauern Gefahren: Das Gesicht von Sengars Sohn ist voller Narben, seit zwei Raketen dort einschlugen, seine Zähne waren gesplittert.

Sengar, 49 Jahre alt, ergrautes Haar und Lederjacke, kam 2015 nach Deutschland. Allein – weil sich die Familie nur eine Überfahrt leisten konnte. Er hatte Probleme hier und sagt, er sei von einer schwierigen Lage in eine andere geflohen. Deutsch zu lernen fiel ihm schwer, doch sein Flüchtslingsstatus wurde anerkannt. Anfang 2017 bekam er auch Unterstützung von den Behörden, um sich Möbel zu kaufen. Angesichts des Geldes dachte er plötzlich: Warum eine Wohnung möblieren, wenn er seine Kinder retten könnte?

Sengar in einem Café in Berlin, er schaffte es nach Syrien und musste doch umkehren: "Ich bin gegangen und habe es versucht, aber es ist unmöglich." © Sally Hayden

Wir treffen ihn in Berlin auf der Sonnenallee, der "arabischen Straße", wo sich Shisha-Bars an nahöstliche Restaurants reihen. Mit einem Feuerzeug, seinem Handy und dem Zuckerspender zeigt Sengar uns die Route, die er zurück nach Hause genommen hat. Zuerst stieg er in den Zug nach Budapest, flog von dort nach Athen und erreichte Thessaloniki, wo er einen Bus Richtung türkischer Grenze nahm. Er ging dann zu Fuß, bis er eine unbewachte Stelle erreichte. Als Nächstes durchquerte er die Türkei. Weil die deutschen Behörden seinen Pass hatten, benutzte er einen gefälschten syrischen Pass und begab sich in die Hände eines Schleusers, um über die türkisch-syrische Grenze ins von der Opposition gehaltene Idlib zu gelangen. Sie schafften es nach endloser Wartezeit und mit Schmiergeld an die Grenzposten. Insgesamt hat ihn die Reise von Deutschland nach Idlib 2.500 Euro gekostet, den größten Teil musste er sich leihen.

Direkt nach seiner Ankunft in Syrien fingen ihn Kämpfer der oppositionellen Freien Syrischen Armee ab und forderten ihn auf, wieder umzukehren. "Geh nicht nach Deir al-Sur, dort herrscht der IS. Wenn sie sehen, dass du aus Europa kommst, schneiden sie dir den Kopf ab."

Irgendwann kam Sengar wieder in Deutschland an. Jetzt hat er Schulden und ist obdachlos. Er lebt von der Wohltätigkeit in Berlin lebender Landsleute, die ihn in ihren Restaurants schlafen lassen und ihm widerwillig Essen und Zigaretten geben. "Viele Leute wollen zurückgehen, aber sie brauchen einen sicheren Ort, an dem sie sich aufhalten können", sagt Sengar. "Ich bin gegangen und habe es versucht, aber es ist unmöglich."

"Die Schleuser denken nur ans Geld"

Vor zwei Jahren war die Hafenstadt Thessaloniki der Knotenpunkt für Migranten und Flüchtlinge, die erstmals in Europa ankamen. Ein Ort, um die erste Etappe zu feiern und die weitere Reise zu planen. Für jene, die dort ankamen, bedeutete das: Sie hatten erfolgreich die Grenze überquert und waren der Polizei entkommen, die Flüchtlinge festhielt und sie illegal direkt wieder in die Türkei zurückschob. Jetzt ist Thessaloniki der Knotenpunkt für Flüchtlinge, die wieder in den Nahen Osten zurückwollen.

In einer Facebook-Gruppe mit Zehntausenden Mitgliedern sprechen die Syrer regelmäßig über Thessaloniki. "Hey Leute, ich fliege von Köln nach Thessaloniki nächsten Monat. Wenn mich jemand begleiten will, können wir zusammen fliegen", schreibt etwa einer. Auch eine sechsköpfige Familie, die zuerst in die Türkei will, fragt nach Begleitung. In Gruppen zu reisen verringert die Schleuserkosten für den Einzelnen. Manche Gruppen zählen 30 oder sogar 40 Personen.

Jene, die Deutschland verlassen, fliegen nach Thessaloniki mit ihren deutschen Papieren. Von dort geht es mit dem Bus zu einer Vielzahl von Orten entlang der türkischen Grenze, die von den Schmugglern empfohlen werden. Man findet entweder eine Brücke über den Fluss Mariza oder wendet sich an die Schleuser, die dort permanent zu finden sind und einen für 100 bis 200 Euro mit einem Boot über den Fluss bringen. "Keine Sorge, Bruder, meine Leute schlafen an der Stelle", sagt uns einer von ihnen.

Wie es viele auf dem Weg nach Europa getan haben, vertrauen auch die Migranten auf dem entgegengesetzten Weg ihre Sicherheit Schleusern an, die sie oft über die wirkliche Lage täuschen und alles leichter erscheinen lassen, als es ist. "Die Schleuser denken nur ans Geld", warnt ein Mann, der es von Deutschland in die Türkei geschafft hatte, um seine Frau wiederzusehen. "Ich bin vor zehn Tagen dort gewesen, und die griechische Polizei schnappte mich, schlug mich zusammen und warf alles, was ich hatte, in den Fluss." Er sagt, die Grenzpolizei habe ihn so schwer verletzt, dass zwei seiner Zähne abbrachen und er bewusstlos wurde.

Einmal in der Türkei, können Syrer, die sich mit ihrer Entscheidung zu gehen sicher sind, ihre deutschen Papier für bis zu 3.000 Dollar verkaufen. Der Käufer kann die Papiere benutzen, um nach Deutschland zu fliegen, um dort Asyl zu beantragen. "Ich gehe von Deutschland in die Türkei", hieß neulich ein Post in einer der Gruppen. "Wenn sich ein Doppelgänger findet, kann er meinen Pass bekommen und hierherkommen." Vielen Syrern ermöglicht der Verkauf ihrer europäischen Dokumente, die Kosten ihrer Rückreise zu decken.

"Es muss legale Wege der Migration in beide Richtungen geben"

Von der Umayyad-Moschee in Damaskus aus sind regelmäßig die Bombardierungen in den Vororten zu hören. © Sally Hayden

Dabei gibt es theoretisch einen legalen und kostenlosen Weg für Flüchtlinge, die wieder nach Hause wollen. Wenn Flüchtlinge aus anderen Ländern sich dazu entschließen, zahlt die Internationale Organisation für Migration (IOM) ihre Reise. Sie betreibt sogar eine Rückkehr-Hotline und hat dieses Jahr mit der deutschen Regierung eine spezielle Website aufgesetzt. Doch Syrien ist neben Libyen und dem Jemen eines von nur drei Ländern, die als zu gefährlich klassifiziert werden – dort ist die Prozedur ausgesetzt. Sabine Lehmann, IOM-Sprecherin in Berlin, sagt, die Lage in Syrien werde kontinuierlich evaluiert: "Die Reise an sich muss sicher sein, und die Lage vor Ort muss sicher sein." Sie wisse, dass viele Syrer darüber sprechen, zurückzukehren. "Man spürt es überall, auch ich", sagt sie: "Es muss legale Wege der Migration in beide Richtungen geben."

Die Flüchtlinge, die in der aktuellen Lage zurückgingen, müssten sich der Konsequenzen bewusst sein, warnt Lehmann. "Wer Deutschland verlässt, zieht rechtlich seinen Asylantrag zurück". Er könne höchstens später ein neues Verfahren eröffnen – mit ungewissem Ausgang. Beim Bamf gibt es laut einem Sprecher keine Statistik derer, die sich dennoch auf eigene Faust auf den Weg machen. Über das organisierte Programm für freiwillige Rückkehrer führt kein Weg nach Syrien, aber im vergangenen Jahr sind laut Bamf 35 Syrer mit Unterstützung in benachbarte Länder zurückgegangen. Unsere Recherchen lassen darauf schließen, dass weitaus mehr Menschen in die Region oder direkt nach Syrien zurückkehren.

Von einigen Syrern lesen wir in den Onlinegruppen, die syrische Botschaft in Deutschland organisiere Rückflüge über den Iran. "Wenn du einen syrischen Pass hast, kannst du zur syrischen Botschaft in Berlin gehen und sagen, dass du zurück nach Syrien willst", empfiehlt einer. "Sie fliegen dich nach Teheran, und dort wartest du eine Stunde auf deinen Flug nach Damaskus." Ein anderer Flüchtling erzählt, sein Onkel sei so zurück nach Syrien gegangen. Mitarbeiter der Botschaft sagten uns ein vereinbartes Interview wieder ab und äußerten sich auch auf mehrfache Nachfragen nicht zu dieser Praxis.

"Selbst wenn du stirbst, erfährt es niemand, es ist ihnen egal"

Sami* dachte, er sei durchgekommen. Der Mittdreißiger hatte drei Jahre als anerkannter Flüchtling in Deutschland gelebt, als seine Mutter in Syrien schwer krank wurde. Die alte und gebrechliche Frau brauchte eine Operation, um zu überleben. Als jüngster und einziger unverheirateter Sohn, so entschieden seine Brüder, sei es Samis Pflicht, ihr zu helfen. Er benutzte seinen syrischen Pass, damit die deutschen Behörden nicht herausfinden würden, dass er gegen die Asylbestimmungen verstößt. Er nahm einen Flug in die sudanesische Hauptstadt Khartum und von dort nach Damaskus. Er wollte weniger als 20 Tage bleiben, das erste Mal in Syrien seit dem Ausbruch des Kriegs. Er traf Vorkehrungen. Aus dem Ausland können Syrer jemanden dafür bezahlen, dass er prüft, ob sie auf einer Liste stehen, also ob das Regime nach ihnen sucht. Für Sami erledigte das ein Freund. Als der ihm das Okay gab, dachte er, er sei sicher.

Am Einwanderungsschalter am Flughafen in Damaskus ging es schief. "Sie müssen fünf Minuten warten", sagte man ihm, bevor er in ein Hinterzimmer gestoßen und von dort in ein Auto gezerrt wurde. Es sollte länger als einen Monat dauern, bis seine Mutter herausfand, dass er noch lebte. "Einen Monat lang wusste meine Familie nicht, was mit mir war, obwohl sie bei der Polizei nachfragten. Sie wussten, dass ich vom Sudan nach Syrien geflogen war, einen Monat lang wussten sie nur das."

Syrische Regierungssoldaten posieren in einem Vorort von Aleppo für ein Foto. © Sally Hayden

Wochenlang war Sami mit Dutzenden anderen in einer Zelle eingesperrt, mehrere hatte man nach ihrer Rückkehr aus Europa aufgegriffen. Er schätzt die Größe der Zelle auf drei mal vier Meter, kaum genug Raum zum Atmen. "Natürlich gaben sie uns Essen, aber es war wenig, gerade genug zum Überleben." In der Nacht stand die Hälfte der Zelleninsassen alle zwei Stunden auf, damit die anderen sich hinlegen und etwas Schlaf finden konnten. Die Krämpfe waren unerträglich.

Sami wurde nur aus der Zelle gelassen, wenn man ihn folterte. Sie schlugen ihn und verlangten von ihm, Informationen preiszugeben über verschiedene Oppositionsanführer, die sie in Europa vermuteten – Leute, die er nicht kannte. "Das ist normal in Syrien. Wer bei der Polizei landet, wird gefoltert. Es ist ihnen egal, wenn jemand stirbt. Man kann auch nichts dagegen tun, denn niemand weiß, was dir passiert ist. Wenn jemand in die Polizeiwache kommt und nach dir fragt, sagen sie, du seist nicht dort. Selbst wenn du stirbst, erfährt es niemand. Es ist ihnen egal."

"Wir kämpfen den ganzen Tag"

Als wir im Herbst mit Sami in einer Bar im Damaszener Viertel Bab Touma sitzen, ist ihm die schlechte Ernährung noch anzusehen. In den vier Monaten, seit er Deutschland verlassen hat, hat er 15 Kilogramm Gewicht verloren. Er will seine Geschichte erzählen, um andere syrische Flüchtlinge in Europa zu warnen, was ihnen passieren kann, wenn sie zurückkommen.

Nach einem Monat in der Zelle schickten sie ihn zur Armee, obwohl er Jahre zuvor seinen Militärdienst abgeleistet hatte. Nach ein paar Tagen wurde er in ein Gebiet abkommandiert, das vom IS kontrolliert wurde – und wo zu diesem Zeitpunkt die heftigsten Kämpfe stattfanden. Der Mangel an Nahrung und Versorgung bei den Soldaten bedeutet: Dort eingesetzt zu werden, kann ein Todesurteil sein. "Wir kämpfen den ganzen Tag und dann, in der Nacht, geben sie uns etwas Brot und ein paar Kartoffeln, nicht wirklich Essen. Kein Frühstück, kein Mittagessen … Manchmal gibt es kein Wasser, das wir trinken können." Bei den russischen Kämpfern sei das völlig anders gewesen, sagt Sami, sie seien besser versorgt worden und ihre Sicherheit habe Priorität gehabt.

Drei Wochen vor unserem Treffen und drei Monate nachdem er in die Armee gezwungen wurde, ging bei seiner Einheit ein IS-Sprengsatz hoch, der fast alle tötete, die bei ihm waren. Auch Sami wurde getroffen, er konnte sich kaum wegschleppen. Er rollt seine Hosenbeine hoch, die Verbrennungen reichen den ganzen Körper hinauf. "Ich kenne zu viele Leute, die in Europa waren und zurückgekommen sind. Die sind jetzt alle bei mir (an der Front)."

"Er wird nie wieder zurück nach Syrien gehen"

In Syrien, Straße nach Damaskus © Sally Hayden

In Deutschland, in Syrien und überall in Europa wurde uns unzählige Male von jungen männlichen Flüchtlingen berichtet, die nach ihrer Rückkehr nach Syrien verschwanden und von denen alle gaubten, sie seien im Gefängnis. Einige konnten noch ihre Familien wiedersehen, bevor jeder Kontakt abbrach. Samis Geschichte war für uns der umfassendste Einblick, was manchen von ihnen passieren kann. Er erzählte uns, Frauen und alleinige Söhne (die vom Militärdienst ausgenommen sind) könnten schon nach einigen Tagen wieder freikommen, aber alle anderen Männer zwischen 18 und 42 würden einberufen und stünden unter Verdacht.

Ein anderer Syrer aus Hama berichtet von seinem Vater, der zu alt für die Armee ist. Er sei fast drei Stunden lang am Flughafen von Damaskus festgehalten worden, als er aus Schweden zurückkam. Sein Pass wurde beschlagnahmt, sodass er Syrien nicht mehr verlassen konnte. "Jeder, der Syrien illegal verlassen hat, wird einer politischen Befragung unterzogen. Jeder, der euch etwas anderes erzählt, lügt", sagt sein Sohn. Sein Vater wurde dabei ertappt, keinen Ausreisestempel im Pass gehabt zu haben. Er wurde über seine Verbindungen mit "feindlichen Ländern" befragt, wie er Syrien verlassen habe, wer ihm geholfen habe, und wer im Norden des Landes die Kontrolle gehabt habe, als er dort durchreiste. Der Vater, gegen den weiter ermittelt wird, hat es inzwischen geschafft, sich wieder in die Türkei schleusen zu lassen. "Er wird nie wieder zurück nach Syrien gehen", sagt sein Sohn.

Für jene, die über die türkische Grenze auf dem Landweg illegal wieder zurück nach Syrien gelangen, können die Konsequenzen noch schwerwiegender sein. Einige Schleuser entlang der Route nach Aleppo machen mit der Armee gemeinsame Sache, sagt Sami. Wer ihnen in die Hände fällt, kann direkt beim Militär landen oder für Jahre im Gefängnis verschwinden.

"Wir werden niemals vergeben oder vergessen"

Andere, die es schaffen, ihre Heimat zu erreichen, sind gefangen in ihren Häusern. Checkpoints der Armee in den Dörfern und Städten und auch heimliche Überwachung machen es unmöglich, lange unentdeckt zu bleiben. Kehren Flüchtlinge in den vom Regime kontrollierten Teil Syriens zurück, werden sie mit einem System flächendeckender Korruption konfrontiert, in dem ein Soldat große Summen Bargeld zahlen muss, um an einen sichereren Ort abkommandiert zu werden. "Ohne Geld kannst du gar nichts tun", sagt Sami.

Die syrische Regierung sagt, es gebe für jene, die gegangen sind, Kanäle, um eine sichere Rückkehr zu garantieren. In Aleppo, das vom Regime vor weniger als einem Jahr weitgehend erobert wurde, erklärt uns Fadi Ahmad Ismail, der Regierungsbeauftragte für Aussöhnung, die Prozedur. Jeder, der gegen die Regierungstruppen gekämpft oder auch nur in den Medien das Assad-Regime kritisiert hat, müsse das Ministerium für Aussöhnung kontaktieren und Frieden schließen, bevor er zurückkehre. Nach Ismails Angaben sind auf diese Art bislang 300 Menschen aus dem Ausland nach Aleppo zurückgekehrt. Jeder muss Papiere unterschreiben, mit denen er sich verpflichtet, künftig nicht mehr gegen den Staat aktiv zu sein. Wer sich danach wieder gegen das Regime äußert, dem droht eine Verurteilung vor einem Terrorismusgericht.

Während sich legale Auswanderer gegen eine Zahlung von 5.000 Dollar vom Militärdienst befreien lassen können, wenn sie fünf Jahre außer Landes waren, bestätigt Ismail: Für Flüchtlinge gilt diese Regelung nicht. Selbst wenn sie vorher in der Opposition gegen die Regierung waren, müsse jeder Mann zwischen 18 und 42 seinen Militärdienst leisten, wenn er zurückkehre.

Fadi Ahmad Ismail, Beauftragter der syrischen Regierung für Aussöhnung in Aleppo © Sally Hayden

Man findet überall im Land auch Menschen, die legal zurückgekehrt sind. In Damaskus, beim Finale der syrischen Fußballmeisterschaft im Oktober, springt Hamo Ahmad durch die Stadionreihen und ruft jedem ein begeistertes "Guten Tag" entgegen, der ihm fremd erscheint. Der 25-Jährige ist vor 20 Tagen wieder in Syrien angekommen, nachdem er drei Jahre bei einem Fußballverein in Frankfurt gespielt hatte. "Ich liebe Deutschland", sagt er. "Aber ich habe die Heimat vermisst."

Fast jeder in Syrien hat einen Verwandten, der das Land verlassen hat. Doch die Äußerungen des Regimes über die mehr als fünf Millionen Flüchtlinge machen wenig Hoffnung, dass sie hier noch willkommen sind. In einem Interview in diesem Jahr sagte Präsident Assad, er respektiere, dass die Mehrheit der Geflüchteten in Zukunft wieder zurückkehren wolle. "Dies ist das Land aller Syrer", sagte er, fügte aber hinzu, dass er nicht beeinflusse könne, was als Nächstes geschehe. "Es spielt keine Rolle, was ich glaube. Entscheidend ist, was die Gesetze über alle Personen sagen, die etwas gegen ihr Land getan haben."

Einen Monat bevor er im Oktober durch eine Landmine starb, löste der bekannte General Issam Zahredine einen Aufschrei aus, als er sagte: Wenn sie wüssten, was gut für sie sei, würden Flüchtlinge nicht zurückkehren. "An jene, die aus Syrien in einen anderes Land geflohen sind: Ich flehe euch an, kommt niemals zurück, denn selbst wenn die Regierung euch vergibt, wir werden niemals vergeben oder vergessen", sagte er syrischen Staatsmedien.

In seiner Residenz in Damaskus versicherte uns der syrische Großmufti Ahmad Badreddin Hassun, ein mächtiger Religionsführer, der der Regierung nahesteht, im November: "Die Tore sind offen für jeden." Allerdings bestritt er, dass die Zahl der Flüchtlinge in Europa so groß sei, wie behauptet werde. Syrer seien nur wegen der Misshandlungen durch die Oppositionsgruppen geflohen, sagte er, nicht wegen etwas, das die Regierung getan habe. Er glaube Berichten, wonach "226.000 Flüchtlinge 2016 nach Europa gegangen sind", aber nur wenige der Familien seien Syrer gewesen. "Die anderen haben gefälschte Pässe." Der syrische Außenminister lehnte unsere Interviewanfragen ab.

Plakate des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Homs © Sally Hayden

Die Realität in Syrien ist nicht so, wie es viele Rückkehrer hoffen. "Das ganze System der Masseninhaftierung und Folter besteht weiter", sagt Scott Gilmore, Anwalt beim Center for Justice and Accountability, der wegen Kriegsverbrechen in Syrien ermittelt. "Menschen werden routinemäßig an Checkpoints angehalten, entführt … Es gibt immer noch Formen der politischen Gewalt, aber manche Angriffe sind auch gewöhnliche Kriminalität."

Für Sami kommen diese Warnungen zu spät. Tage nachdem wir ihn getroffen haben, sollte er wieder an die Front geschickt werden. An diesem Nachmittag hallen schwere Bombardierungen im von der Opposition gehaltenen Jobar über Damaskus. Samis Geschichte, mit gedämpfter Stimme auf offener Straße erzählt, wo wir nach Lauschern Ausschau halten können, wird untermalt vom Alltag der Angriffe. Er verflucht sich selbst dafür, dass er zurückgekehrt ist in diesen "letzten Krieg", wie er ihn beschreibt. Die gefährlichste Phase der Kämpfe sei jetzt, da die Regierung versuche, die letzten Gebiete einzunehmen, die sie noch nicht unter Kontrolle hat. "Ich sage: Glaubt niemandem und kommt nicht her", mahnt Sami. "Ihr müsst noch ein bisschen warten."

*Name aus Sicherheitsgründen geändert

Die Recherche wurde ermöglicht vom Mary Raftery Journalism Fund. Eine englische und arabische Fassung sind in der Irish Times erschienen.

Aus dem Englisch übertragen von Carsten Luther