Nach seinen Äußerungen über "Drecksloch"-Staaten schlägt US-Präsident Donald Trump Entrüstung aus 54 afrikanischen Ländern, aber auch aus den eigenen Reihen entgegen. Der Republikaner Paul Ryan bezeichnete Trumps Wortwahl als "unglücklich und nicht hilfreich". Der republikanische Senator Lindsey Graham äußerte sich nicht öffentlich, erklärte aber, er habe Trump seinen Teil ins Gesicht gesagt.

Die Afrikanische Union (AU) veröffentlichte eine Erklärung, in der sie eine offizielle Entschuldigung von Trump fordert. Zudem solle er die Äußerungen zurücknehmen. In der Mitteilung ist von "Betroffenheit, Schock und Entrüstung" die Rede. Man glaube, es gebe ein riesiges Fehlverständnis über den afrikanischen Kontinent und dessen Bevölkerung bei der derzeitigen US-Regierung. "Es gibt ein ernstes Bedürfnis für einen Dialog zwischen den afrikanischen Ländern und der US-Administration", heißt es in dem Text weiter. "Dieses eine Mal sind wir uns einig", sagte ein Botschafter, der namentlich nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AP.

Die AU sei alarmiert, kommentierte Ebba Kalondo, eine Sprecherin der Organisation. "Wenn man die historische Realität bedenkt, wie viele Afrikaner die Vereinigten Staaten als Sklaven erreichten, steht die Aussage zu allem im Widerspruch, was akzeptiertes Verhalten und Praxis ist." Die USA seien noch immer ein weltweites Beispiel dafür, wie Migration eine Nation geschaffen habe, die auf starken Werten von Vielfalt und Chancen beruhe, sagte Kalando, daher sei Trumps Äußerung besonders überraschend.

Dem Protest schlossen sich auch die Botschafter der afrikanischen Staaten bei den Vereinten Nationen an. Sie verurteilten die "unerhörten rassistischen und fremdenfeindlichen" Aussagen und forderten ebenfalls eine Entschuldigung. Die Diplomaten äußerten sich zudem besorgt über den "fortwährenden und zunehmenden Trend der US-Regierung", den afrikanischen Kontinent "und Farbige herabzuwürdigen".

Zwei demokratische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus wollen Trump nach der als rassistisch empfundenen Aussage mit Zensur belegen. Cedric Richmond und Jerrold Nadler sagten, sie wollen eine entsprechende Resolution gegen Trump und seine "engstirnige Angstmacherei" über Haiti und Afrika einbringen. Richmond ist Vorsitzender des sogenannten Black Caucus, eines Gremiums schwarzer Politiker im US-Kongress. Nadler ist der höchste Demokrat im Justizausschuss des Repräsentantenhauses.

Botswana bestellt Botschafter ein

Die Washington Post und die New York Times hatten berichtet, Trump habe bei einem Treffen mit Parlamentariern zur Einwanderungsreform im Weißen Haus gefragt: "Warum kommen all diese Menschen aus Dreckslochländern (shithole countries) hierher?" Nach Angaben beider Zeitungen bezog sich Trump auf afrikanische Staaten sowie auf Haiti, laut Washington Post zudem auf El Salvador.

Trump wies die Berichte zurück – allerdings nicht komplett. Er habe eine "harte Sprache" benutzt, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter. "Aber das war nicht die benutzte Sprache." Konkret dementierte der Präsident lediglich die abfälligen Äußerungen über Haiti und die Haitianer. Dem widersprach der demokratische Senator Dick Durbin, der an der fraglichen Unterredung teilnahm. "Ich habe nicht ein einziges Wort gelesen, das nicht gefallen wäre", sagte er. Der Präsident habe "hasserfüllte, abscheuliche und rassistische Worte gewählt", sagte der Senator. Er könne sich nicht erinnern, dass jemals ein Präsident der Vereinigten Staaten zu solch einer Art von Sprache gegriffen habe. Das Wort "Drecksloch" sei mehrfach gefallen.

Auch aus anderen Teilen der Welt wurden weiterhin entrüstete Reaktionen laut. "Die Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten treffen die Würde des salvadorianischen Volkes", schrieb der Präsident von El Salvador, Salvador Sánchez Cerén, auf Twitter. Die Regierung von Botswana bestellte den US-Botschafter ein. Man wolle von der US-Regierung wissen, ob sie Botswana für einen "Dreckslochstaat" halte, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums. Die südafrikanische Regierungspartei ANC, schrieb auf Twitter, es sei "beleidigend", derartig abwertende Kommentare zu machen.