Israel will Aktivisten von Organisationen, die zu einem Israel-Boykott aufrufen, künftig die Einreise verweigern. Das Ministerium für strategische Angelegenheiten veröffentlichte eine Liste von rund 20 Organisationen, die der Boykottbewegung BDS gegen Israel angehören, wie israelische Medien berichteten. Die internationale Bewegung setzt sich für Sanktionen und einen Boykott Israels wegen der Palästinenserpolitik ein. 

Den Berichten zufolge ist auch die deutsche BDS-Kampagne unter den genannten Organisationen. Außerdem sind die Friends of Al-Aqsa (FOA) und die European Coordination of Committees and Associations for Palestine dabei. Neben muslimischen und weltanschaulich neutralen Organisationen finden sich auch jüdische Organisationen auf der Liste, etwa die Jewish Voice for Peace (JVP) aus den USA. Neben Gruppen aus Europa und den USA stehen auch südamerikanische und afrikanische Initiativen auf der liste.

Das Einreiseverbot gelte nicht nur für offizielle Vertreter der genannten 20 Organisationen, sondern auch für ihre Hauptaktivisten, auch wenn diese keine offizielle Position in der Einrichtung innehätten. Das berichtet die israelische Zeitung Haaretz. Dies gelte auch für bekannte Persönlichkeiten, die zum Boykott Israels aufriefen.

"Wir sind von der Defensive in die Offensive gegangen", teilte Gilad Erdan, Minister für strategische Angelegenheiten und innere Sicherheit, den Angaben zufolge mit. "Die Boykott-Organisationen müssen wissen, dass der Staat Israel sie stoppen und ihre Vertreter daran hindern wird, in das Land einzureisen und den Bürgern zu schaden. Kein Land würde es Kritikern erlauben, ins Land zu kommen, um ihm zu schaden", sagte Erdan.

Innenminister Arje Deri von der ultraorthodoxen Schas-Partei, dessen Ministerium für das Einreiseverbot verantwortlich ist, sagte: "Diese Leute versuchen, das Gesetz und unsere Gastfreundschaft auszunutzen, um gegen Israel zu agieren und das Land zu diffamieren. Ich werde dem mit allen Mitteln entgegentreten." Auf Anweisung von Deri und Erdan war bereits mehreren Personen die Einreise wegen ihrer Unterstützung der BDS-Bewegung verweigert worden. 

Pink-Floyd-Star Roger Waters gilt als einer der zentralen Unterstützer der BDS-Bewegung. Zuletzt hatte die neuseeländische Popsängerin Lorde auf Druck propalästinensischer Aktivisten ein im Sommer geplantes Konzert in Tel Aviv abgesagt. BDS steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen. Grundidee der im Jahr 2005 gegründeten transnationalen Kampagne ist eine wirtschaftliche, politische und kulturelle Isolation Israels.