Die beiden großen Unabhängigkeitsparteien in Katalonien haben sich auf die Bildung einer Regierungskoalition geeinigt. Das berichten die Nachrichtenagentur Europa Press und die Zeitung El País unter Berufung auf Verhandlungskreise. Demnach soll das Bündnis von dem im Oktober abgesetzten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont geführt werden. Das hätten Puigdemont und die Chefin der linksnationalistischen Partei ERC, Marta Rovira, am Dienstagabend in Brüssel vereinbart.

Ein ERC-Sprecher bestätigte die Angaben. Puigdemont solle noch in diesem Monat per Videokonferenz vor dem Regionalparlament sprechen. Möglicherweise werde auch ein Abgeordneter vor Ort Puigdemonts Rede vortragen, die von den Kandidaten für das Amt des Regionalpräsidenten vor der Abstimmung verlangt wird. Nach den Verfahrensregeln des Parlaments muss der Kandidat für das Amt des Regierungschefs anwesend sein. Bei einer Rückkehr nach Spanien droht Puigdemont allerdings eine Verurteilung und eine lange Haftstrafe

Der ehemalige Regionalpräsident war Ende Oktober vom spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy des Amtes enthoben worden, nachdem die Regionalregierung in Katalonien ein von der spanischen Justiz verbotenes Unabhängigkeitsreferendum abgehalten und einen Beschluss zur Abspaltung von Spanien verabschiedet hatte. Das Parlament wurde aufgelöst und mehrere Spitzenpolitiker der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung wurden inhaftiert. Unmittelbar nach seiner Absetzung hatten sich Puigdemont und einige seiner Minister nach Belgien abgesetzt, um einer Festnahme zu entgehen. Ihm und seinen Anhängern werden Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung öffentlicher Mittel vorgeworfen.

Puigdemonts Allianz JuntsxCat (Gemeinsam für Katalonien) und die linksnationalistische ERC hatten bei Neuwahlen Ende Dezember ihre absolute Mehrheit verteidigt. Rajoy hatte die Konstituierung des neuen Regionalparlaments für den 17. Januar angekündigt.

Katalonien - Puigdemont möchte nach Katalonien zurückkehren Nach dem Wahlsieg der Unabhängigkeitsbefürworter hat der ehemalige katalanische Regierungsschef die spanische Regierung gebeten, bald heimkehren zu dürfen. © Foto: Virginia Mayo/dpa