Der ehemalige Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, Stephen Bannon, wirft Trumps Sohn laut einem Bericht Verrat vor. Bannon beschreibe in seinem neuen Buch die Treffen von Donald Trump Junior mit einer Gruppe von Russen im Wahlkampf 2016 als "verräterisch" und "unpatriotisch", berichtet der Guardian, dem das "explosive" Buch vorliegt. Bannon hat Trumps Team im August 2017 verlassen und ist zum rechten Onlineportal Breitbart zurückgekehrt.

Bannon kritisiert laut dem Bericht unter anderem, wie naiv die Trump-Delegation in die Treffen ging. "Die drei wichtigen Kampagnenvertreter hielten es für eine gute Idee, in einem Konferenzraum im 25. Stock des Trump Towers eine Vertreterin einer ausländischen Regierung zu treffen – ohne Anwälte", zitiert die Zeitung aus dem Buch.

"Selbst wenn man dachte, dass das nicht verräterisch oder unpatriotisch oder übler Scheiß war – und ich denke, das war es alles –, hätte jemand sofort das FBI rufen sollen." Bannon hatte demnach vorgeschlagen, das Treffen zwischen Anwälten an einem entlegenen Ort stattfinden zu lassen und über Medien wie Breitbart öffentlich zu machen.

Trumps ältester Sohn hat im Juli 2017 unter Druck zugegeben, sich mit einer russischen Anwältin getroffen zu haben. Von ihr hatte er sich heikle Informationen über die damalige Gegenkandidatin seines Vaters, die Demokratin Hillary Clinton, versprochen. Mit im Raum waren auch Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner sowie der damaliger Wahlkampfchef Paul Manafort. Trump Junior hat auf das Angebot, sensible Informationen über Clinton zu erhalten, geantwortet: "Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich es."

Trump attackiert Bannon

Der US-Präsident distanzierte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe von seinem früheren Berater. "Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand", heißt es in einer Stellungnahme, die verschiedene US-Medien verbreiteten. Bannon sei erst zu Trump gestoßen, nachdem dieser schon siebzehn Gegenkandidaten besiegt hatte – "oft beschrieben als das talentierteste Kandidatenfeld, das die republikanische Partei jemals aufgestellt hat". Jetzt, da Bannon auf sich allein gestellt sei, habe er bemerkt, dass Siegen nicht so einfach sei, wie es bei Trump aussehe.

Bannon habe nichts mit Trumps historischen Sieg zutun, wohl aber "alles" mit der Niederlage der Republikaner in Alabama, heißt es in der Mitteilung weiter. Auch wenn er vorgebe, im Krieg mit den Medien zu sein, habe er seine ganze Zeit im Weißen Haus damit verbracht, falsche Informationen an die Medien weiterzugeben. "Das ist das einzige, was er gut kann." Bannon sei kaum ein mal in einem Vieraugengespräch mit Trump gewesen und habe das nur den Leuten erzählt, die nun dieses "Schwindel-Buch" geschrieben hätten.

Bannons Äußerungen stammen aus dem Buch Fire and Fury: Inside the Trump White House von Guardian-Kolumnist Michael Wolff, das kommende Woche erscheint und auf angeblich 200 Interviews basierend über Donald Trump und das Weiße Haus berichtet. Laut Guardian drücken darin auch engste Verbündete des US-Präsidenten ihre Verachtung für ihn aus.

Sonderermittler Robert Mueller, der Absprachen zwischen dem Trump-Team und Russland hinsichtlich einer Wahlbeeinflussung untersucht, wird sich laut Bannon ganz auf das Thema Geldwäsche konzentrieren. Muellers Team werde versuchen, Trump über seinen Sohn, Manafort und Kushner zu Leibe zu rücken. "Sie werden Don Jr. im landesweiten Fernsehen knacken wie ein Ei."