Die US-Regierung plant, die Ölbohrungen vor den Küsten der USA deutlich auszuweiten. Das Innenministerium legte einen Vorschlag vor, nach dem auch in bislang geschützten Bereichen im Atlantik und der Arktis nach Öl und Gas gebohrt werden könnte. Es handelt sich um den weitreichendsten Vorschlag zu Offshore-Bohrungen seit Jahrzehnten. 

Bisher sei es nur ein Entwurf, sagte Innenminister Ryan Zinke laut der Washington Times. "Wir werden die Meinungen aller betroffenen Akteure anhören." Die Regierung wolle sich alle Bedenken anhören. Der Plan befinde sich noch im Anfangsstadium. "Es gibt einen klaren Unterschied zwischen Energieschwäche und Energiedominanz", sagte Zinke. "Unter Präsident Trump werden wir die größtmögliche Supermacht sein, weil wir die Möglichkeiten dazu haben."

Donald Trump hatte das Innenministerium im vergangenen April angewiesen, zu prüfen, ob mehr Öl- und Gasbohrungen möglich sind. Die sogenannten Offshore-Bohrungen sind in den USA in einem Fünfjahresplan reguliert. In seinem Entwurf schlägt Zinke 47 mögliche Versteigerungen von Bohrrechten in mehr als 90 Prozent der US-Küstengewässer vor. Das soll zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen. 

Louisiana und Texas erhoffen sich mehr Arbeitsplätze

Die demokratischen Regierungen der betroffenen Bundesstaaten sind gegen Offshore-Bohrungen, auch republikanische Politiker kritisieren den Plan. Floridas republikanischer Gouverneur Rick Scott sagte, es sei seine oberste Priorität, Floridas Natur zu schützen. Er habe bereits um ein Treffen mit Zinke gebeten. Bundesstaaten wie Louisiana und Texas verweisen hingegen auf die neuen Arbeitsplätze, die das Erschließen neuer Ölfelder mit sich bringe.

Ein Bündnis von 60 Umweltgruppen warnte in einer gemeinsamen Erklärung, durch den Plan würden US-Küsten in schwerer und inakzeptabler Art und Weise geschädigt werden. "Die Ozeangewässer sind nicht Präsident Trumps persönlicher Spielplatz", hieß es. "Sie gehören allen Amerikanern und die Öffentlichkeit will, dass sie erhalten und geschützt werden – und nicht an multinationale Ölfirmen verkauft werden."

Erst vor einer Woche hatte die US-Regierung vorgeschlagen, die Vorschriften für Offshore-Bohrungen umzuschreiben oder ganz abzuschaffen. Die Sicherheitsauflagen seien eine unnötige Bürde für die Industrie und ihre Lockerung würde zu mehr Energieproduktion führen.

Die Regeln waren 2010 nach der Ölpest im Golf von Mexiko erlassen worden. Damals war die Ölbohrinsel Deepwater Horizon explodiert, elf Arbeiter starben dabei. Insgesamt waren fast 800 Millionen Liter Öl über 87 Tage in das Meer geflossen. Die schlimmste Ölpest in der Geschichte der USA hatte massive Auswirkungen auf die Umwelt und den Tourismus in naheliegenden Bundesstaaten wie Louisiana und Florida.