FBI-Vizedirektor Andrew McCabe, den US-Präsident Donald Trump zuletzt immer wieder öffentlich angegriffen hatte, gibt seinen Posten vorzeitig auf. Entsprechende Gerüchte gab es seit Längerem. Trump hatte insbesondere die Rolle des 49-Jährigen bei den Ermittlungen zur E-Mail-Affäre von Hillary Clinton kritisiert, die im Präsidentschaftswahlkampf gegen Trump kandidiert hatte. Das Verfahren war am Ende eingestellt worden.

Der Präsident hatte sich außerdem darüber erbost gezeigt, dass McCabes Frau Jill 2015 von demokratischen Politikern für eine Wahlkampagne 700.000 Dollar erhalten habe. Allerdings erfolgte die Spende, bevor Andrew McCabe zum FBI-Vize ernannt wurde und damit eine wichtige Rolle in den Ermittlungen zu den Clinton-E-Mails einnahm. Jill McCabe hatte 2015 für einen Sitz im Regionalparlament des Bundesstaats Virginia kandidiert, bei der Wahl aber verloren.

McCabes Rücktritt werde sofort wirksam, berichteten US-Sender. Gründe für den Schritt wurden nicht bekannt. Laut US-Medien soll Trump jedoch bereits versucht haben, auf eine Entlassung oder Versetzung hinzuwirken, was der neue FBI-Chef Christopher Wray jedoch abgelehnt habe. Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte, die Rücktrittsentscheidung sei "nicht im Weißen Haus getroffen worden". McCabe bleibt noch bis März bei der Bundespolizei angestellt, um von seinen vollen Pensionsansprüchen zu profitieren.

Vertrauter von James Comey

McCabe, der mehr als zwei Jahrzehnte lang für die Bundespolizei arbeitete, ist ein Vertrauter des früheren FBI-Direktors James Comey. Trump hatte Comey im Mai 2017 überraschend entlassen. Der Präsident begründete dies damals unter anderem mit den FBI-Ermittlungen in der Russland-Affäre – also zu möglichen Absprachen des Trump-Teams mit Russland zur Beeinflussung der Wahl 2016. In diese Untersuchungen war auch McCabe stark involviert. Nach Comeys Entlassung hatte er das FBI zudem kommissarisch geleitet, bevor Wray eingesetzt wurde.

Damals soll Trump McCabe auch gefragt haben, wen er bei der Präsidentenwahl 2016 gewählt habe. Eine solche Frage stellt einen Tabubruch dar – zumal die Ermittlungsbehörden ihre Arbeit in weitgehender Unabhängigkeit vom Weißen Haus verrichten sollen. McCabe soll geantwortet haben, dass er gar nicht gewählt habe.

Nach Comeys Entlassung setzte das Justizministerium den Sonderermittler Robert Mueller mit weitreichenden Befugnissen ein. Mueller geht nicht nur der Frage nach, ob es während des Wahlkampfs Absprachen zwischen Trumps Leuten und russischen Akteuren gab. Er untersucht auch, ob Trump unter anderem wegen der Entlassung Comeys Justizbehinderung vorgeworfen werden kann. Laut Medienberichten soll Trump im vergangenen Sommer kurz davor gestanden haben, auch Muellers Entlassung anzuordnen.

Präsident Trump und Justizminister Jeff Sessions sollen in den vergangenen Wochen den Druck auf FBI-Chef Wray massiv erhöht haben, Umbesetzungen auf der oberen Führungsebene vorzunehmen. Beamte aus der Comey-Zeit sollten gegen neue Leute ausgetauscht werden. Laut Medienberichten ging das so weit, dass Wray mit seinem Rücktritt gedroht habe.