In Griechenland hat ein weiterer Generalstreik das öffentliche Leben teilweise lahmgelegt. In der Hauptstadt Athen protestierten viele Menschen gegen ein geplantes Gewerkschaftsgesetz, das Streiks erschweren soll. Das griechische Parlament stimmte am Abend mit 154 gegen 141 Stimmen für die Änderung.

Infolge der Streiks wurde der öffentliche Nahverkehr in Athen für 24 Stunden eingestellt, auf den Straßen der Hauptstadt bildeten sich lange Staus in Richtung Innenstadt. Am Nachmittag streikten dann auch einige Fluglotsen – Flüge mussten gestrichen werde. Zudem legten Mitarbeiter im öffentlichen Dienst die Arbeit nieder, etwa Lehrer, Richter und Krankenhausärzte. Zu dem Streik hatten mehrere große Gewerkschaften aufgerufen, darunter die mächtige Adedy, die öffentliche Angestellte vertritt.

Mit dem neuen Gesetz müssen künftig mehr als 50 Prozent der Mitglieder einer Gewerkschaft einen Streik befürworten, bevor dieser ausgerufen werden darf. Bislang ist die Zustimmung von einem Drittel erforderlich. Die Gewerkschaften werfen der Regierung vor, damit das verfassungsmäßige Streikrecht faktisch abzuschaffen. Die griechische Regierung hält das Gesetz für notwendig, damit das hoch verschuldete Land weiter Hilfen internationaler Geldgeber erhält. Ministerpräsident Alexis Tsipras versicherte, die jetzt beschlossenen Reformen seien die letzten Maßnahmen dieser Art. Griechenland sei nur noch "einen Atemzug davon entfernt", sich von der Vormundschaft der Geldgeber zu befreien, sagte der Regierungschef im Parlament.

Diese erwarten von weniger Streiks eine Verbesserung der Produktivität in Griechenland. Seit 2010 gab es dort rund 50 große Streiks  – viele aus Protest gegen die Auflagen der internationalen Kreditgeber. Das Land wartet derzeit auf die letzte Teilauszahlung des dritten Rettungsprogramms von insgesamt 4,5 Milliarden Euro.