Thessaloniki - Griechen fordern Namensänderung Mazedoniens Weil der nördliche Teil Griechenlands ebenfalls Mazedonien heißt, haben Zehntausende Griechen dafür demonstriert, dass der Staat Mazedonien seinen Namen ändert. Organisiert wurden die Proteste von nationalistischen Gruppen. © Foto: Alexandros Avramidis/Reuters

Zehntausende Demonstranten haben in der Hafenstadt Thessaloniki auf einer Großkundgebung ihren Anspruch auf griechische Alleinrechte an dem Namen Mazedonien angemeldet. "Mazedonien ist griechisch und nur griechisch" oder "Nur wir sind die wahren Mazedonier" skandierten die Menschen, die aus allen Teilen des Landes mit Bussen gekommen waren. Die Demonstranten versammelten sich um eine Statue von Alexander dem Großen, dem berühmtesten König des antiken Makedonien.

Zu der Demonstration hatten nationalistisch orientierte und rechtsextremistische Organisationen aufgerufen. Die meisten griechischen Parteien, der Bürgermeister von Thessaloniki und die Führung der Orthodoxen Kirche Griechenlands waren gegen Demonstrationen solcher Art. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 90.000 Menschen.

Blockade von EU-Beitrittsgesprächen

Der Namensstreit zwischen Athen und Skopje dauert seit 1991 an. Griechenland will, dass Mazedonien seinen Namen ändert, weil der nördliche Teil Griechenlands auch den Namen Mazedonien trägt. Die Regierung in Athen blockiert deswegen den Beginn von EU-Beitrittsgesprächen ebenso wie die Nato-Mitgliedschaft des Nachbarlands. Mazedonien wird bei den Vereinten Nationen mit dem sperrigen Namen "Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien" geführt.

Der Konflikt reicht 27 Jahre zurück, als die ehemalige jugoslawische Teilrepublik ihre Unabhängigkeit erklärte und den Namen Mazedonien für sich wählte. Aus Sicht Griechenlands ist der Name Mazedonien jedoch Teil des griechischen Nationalerbes; er suggeriert in dieser Perspektive einen Anspruch auf die nordgriechische Provinz des gleichen Namens. Thessaloniki ist die Hauptstadt Makedoniens und die zweitgrößte griechische Stadt.

UN-Vorschläge für Ende des Namensstreits

Der UN-Sondervermittler Matthew Nimetz hatte erklärt, die Regierungen in Athen und in Skopje hätten gezeigt, dass sie eine Lösung finden wollen. Nimetz hat Medienberichten zufolge fünf Namensvorschläge unterbreitet, die alle das Wort Mazedonien enthalten, unter anderem "Nord-Mazedonien" und "Neu-Mazedonien".

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras zeigte sich kompromissbereit: Es sei logisch, dass der Name Mazedonien mit einer geografischen oder zeitlichen Definition im neuen Namen beinhaltet sein könnte. "Es wäre nationaler Unsinn, diese Chance nicht zu nutzen", sagte Tsipras der Athener Zeitung Ethnos.

Die Zahl der Demonstranten wurde zunächst mit 50.000 angegeben, die Polizei korrigierten die Angaben mittlerweile auf 90.000. Der Veranstalter sprach von 300.000 bis 400.000 Teilnehmern.