Recep Tayyip Erdoğan will den Fall von Hakan Atilla nicht einfach hinnehmen. Er werde "wenn nötig auch die USA verklagen", zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den türkischen Präsidenten.

Atilla ist der ehemalige Vizechef der staatlichen türkischen Halkbank. Er war vergangene Woche von einem Gericht in New York schuldig gesprochen worden, unter anderem wegen Bankbetrugs und Geldwäsche. Außerdem soll er dabei geholfen haben, US-Sanktionen gegen den Iran zu umgehen. Die Türkei soll zwischen 2010 und 2013 iranische Gas- und Öllieferungen mit großen Mengen Gold bezahlt haben. Das Strafmaß soll im April verkündet werden.

"Das beschmutzt den Namen unserer Bank auf internationaler Ebene", sagte Erdoğan. Die Halkbank habe das Recht, Klage zu erheben. Das türkische Außenministerium hatte den Schuldspruch am Freitag als eine beispiellose Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei kritisiert. Die Beweise gegen Atilla seien gefälscht und politisch beeinflusst. 

Schuldspruch sei eine "politische Verschwörung"

Vizeministerpräsident Bekir Bozdağ hatte auf Twitter geschrieben, das Urteil gegen Atilla sei eine "rechtliche Schande". Es handele sich um eine "politische Verschwörung", die keinen juristischen Wert für die Türkei habe.

Ursprünglich war der Prozess gegen den türkisch-iranischen Goldhändler Reza Zarrab gerichtet gewesen. Jedoch hatte Zarrab sich schuldig bekannt und hatte unter anderem gegen Atilla ausgesagt. Seiner Aussage im Gerichtssaal zufolge soll Erdoğan von den Geschäften gewusst und zwei türkische Banken angewiesen haben, sich an den Transaktionen zu beteiligen.

Erdoğan warf der US-Regierung außerdem vor, sie würde dem islamischen Prediger Fethullah Gülen, der in den USA lebt, schützen. Die türkische Regierung beschuldigt Gülen, Drahtzieher des Putschversuchs vom 15. Juli 2016 zu sein und fordert seine Auslieferung.