Geht es nach dem österreichischen Vizekanzler und FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache, könnten Migranten künftig gezwungen sein, in Kasernen zu leben und ab einer bestimmten Uhrzeit dorthin zurückzukehren. In einem ORF-Interview sagte er, es könne sinnvoll sein, "die eine oder andere leerstehende Kaserne zu nutzen". Es sei zu überlegen, in welchen Kasernen es "eine optimierte Nutzung" gibt und welche Kasernen noch nicht ausgelastet sind.

Weiterhin sagte er: "Es ist ja bereits in der Vergangenheit darüber diskutiert worden, ob es nicht so sein soll, dass ab einer gewissen Abendzeit alle wieder in der Kaserne zu sein haben. Es braucht Ordnung, solange es ein offenes Asylverfahren gibt."

Die Opposition kritisierte Straches Vorstoß. Der Wiener SPÖ-Politiker Jürgen Czernohorszky bezeichnete den Vorschlag als "menschenverachtend". Die FPÖ sei von "Integrieren" gleich zu "Internieren" übergegangen.

Später relativierte Strache seine Aussage in Teilen. Geflüchtete in Kasernen unterzubringen sei derzeit kein Thema, auch seien keine Massenquartiere geplant, sagte Strache am Rande einer Regierungsklausur im steirischen Schloss Seggau. Auch Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) sagte: "Es ist in meinem Ressort im Moment kein Thema."

Seit dem 18. Dezember reagiert in Österreich eine Koalition aus der konservativer ÖVP und der rechtspopulistischer FPÖ. Zu ihren Kernthemen gehört eine verschärfte Einwanderungs- und Asylpolitik. Im Regierungsprogramm "Für unser Österreich" verständigten sie sich auf eine "konsequente Verhinderung von Asylmissbrauch". Dazu gehören etwa drastische Leistungskürzungen, ein umfassendes Arbeitsverbot und starke Eingriffe in Persönlichkeitsrechte. Auch schlugen die Parteien vor, dass Geflüchtete bei der Einreise ihr gesamtes Bargeld und ihre Handys abgeben sollen. Mit dem Auslesen von Handydaten und Einträgen in sozialen Medien sollen die Behörden Reiserouten und Identitäten klären.

Österreich - Neue Regierung in Wien vereidigt In Österreich hat der ÖVP-Politiker Sebastian Kurz sein neues Amt als Kanzler angetreten. Vizekanzler ist der Rechtspopulist Heinz-Christian Strache von der FPÖ. © Foto: Leonhard Foeger / Reuters