Die spanische Regierung will eine mögliche Wiederwahl des abgesetzten katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont gerichtlich anfechten, sollte der Politiker sich aus dem Exil heraus wählen lassen. Dieses Vorhaben sei Betrug und verstoße gegen die Rechtsprechung und vor allem gegen den gesunden Menschenverstand, sagte Regierungssprecher Íñigo Méndez de Vigo in Madrid. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte die Idee einer Exil-Regierung bereits Ende Dezember als "absurd" bezeichnet.

Puigdemont war im Oktober abgesetzt worden. Um einer Festnahme zu entgehen, setzte er sich kurz darauf nach Belgien ab, wo er sich nach wie vor aufhält. Vor Kurzem hatte er angekündigt, dem Regionalparlament in Barcelona per Skype sein Regierungsprogramm vorzustellen oder einen Vertreter zu schicken.

Puigdemont und mehreren Mitstreitern werden Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung öffentlicher Mittel vorgeworfen. Bei einer Rückkehr nach Spanien droht dem 55-Jährigen eine Verurteilung und eine lange Haftstrafe.

Dennoch war Puigdemont bei der Neuwahl zum Regionalparlament am 21. Dezember erneut als Spitzenkandidat angetreten. Dabei erreichte seine Allianz JuntsxCat (Gemeinsam für Katalonien) zusammen mit den beiden anderen Parteien, die für eine Unabhängigkeit Kataloniens eintreten, erneut die absolute Mehrheit der Sitze. Am Mittwoch einigten sich Vertreter der Allianz JuntsxCat und der linksnationalistischen ERC auf eine Regierungskoalition unter Führung Puigdemonts.

Am 17. Januar tritt das neue Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.