Die kolumbianische Regierung hat die Friedensverhandlungen mit der ELN-Guerilla ausgesetzt. Sie reagierte damit auf einen Sprengstoffanschlag, der den linken Rebellen zugerechnet wird. Präsident Juan Manuel Santos sagte im Fernsehen: "Vor dem Hintergrund dieser Situation habe ich mit dem Chef der Delegation in Quito (Gustavo Bell) gesprochen, damit sie sofort zurückkommen, um über die Zukunft dieses Prozesses zu beraten."

Auf neutralem Boden in Ecuadors Hauptstadt Quito sollten die im Februar 2017 begonnen Gespräche in die fünfte Runde gehen. Ziel war die Verlängerung einer am Dienstag ausgelaufenen, seit Oktober geltenden Waffenruhe. Unmittelbar vor Beginn der Verhandlungen gab es Berichte über einen Angriff auf Militärs sowie auf eine wichtige Öl-Pipeline. Die Behörden des Departements Arauca beschuldigten die Mitglieder des Ejército de Liberación Nacional (ELN), hinter einem Sprengstoffanschlag auf die Ölpipeline zu stehen.

Santos, der nach dem Abkommen mit der Farc auch einen Frieden mit der ELN erreichen wollte, sagte, die ELN habe auf unerklärliche Weise nicht nur ihre Bereitschaft für die Verlängerung des Waffenstillstands ausgesetzt, sondern auch im frühen Morgengrauen ihre terroristischen Attacken wieder aufgenommen, zitierte die Zeitung El Tiempo den Präsidenten.  

UN-Generalsekretär reißt zur Unterstützung nach Kolumbien

Der UN-Generalsekretär reist zur Unterstützung des Friedensprozesses am Wochenende nach Kolumbien. Wie die UNO mitteilte, sind dort unter anderem Treffen mit dem kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos, Führern der zur politischen Partei umgewandelten Farc-Guerilla und Vertretern der katholischen Kirche vorgesehen. Die Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerillaorganisation ELN wurden unterbrochen.

Guterres' Sprecher Stephane Dujarric sagte, der Besuch des UN-Generalsekretärs am Samstag und Sonntag diene der Unterstützung des Friedensprozesses. Guterres werde sich in Kolumbiens zentraler Region Meta an einen Ort begeben, wo Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) ihre Waffen abgaben, um sich in die Gesellschaft einzugliedern.

Sie folgten damit dem Friedensabkommen von 2016, das dem mehr als 50-jährigen Gewaltkonflikt in Kolumbien ein Ende setzte. Heute sind sie Mitglieder der Partei Farc (Alternative revolutionäre Kraft des Volkes).

Guterres trifft auch Vertreter der Regierung und der Armee. Ob auch eine Begegnung mit Vertretern der Guerillaorganisation Nationales Befreiungsheer (ELN) vorgesehen ist, ging aus der Ankündigung der UNO nicht hervor.

ELN hat noch etwa 2.000 Kämpfer

Santos wurde 2016 mit dem Friedensnobelpreis geehrt, weil er es geschafft hatte, mit den Farc-Rebellen einen historischen Friedensschluss zu vereinbaren. Die Farc-Verhandlungen waren auf neutralem Boden in Kuba geführt worden. Mit rund 7.000 Kämpfern war die Farc die größere Guerillagruppe.

Seit dem Farc-Friedensschluss verzeichnet das südamerikanische Land die niedrigsten Opferzahlen seit Jahrzehnten. Gelingt auch ein Friedensvertrag mit der ELN, die noch 1.500 bis 2.000 Kämpfer hat, könnte das Land nach Jahrzehnten der Drogen- und Guerillakonflikte zur Ruhe kommen und wirtschaftlich wieder erstarken. Es gibt aber Sorgen, dass andere Banden in früheren Guerillagebieten die Kontrolle über das Kokaingeschäft übernehmen. Daher sollen Militär und Polizei diese Regionen befrieden und Schulen und Gesundheitsposten das Leben dort verbessern.

Bei Kämpfen zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillagruppen wie Farc und ELN sowie rechten Paramilitärs wurden in Kolumbien seit 1964 mehr als 260.000 Menschen getötet. Über sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60.000 weitere werden vermisst.