Nun haben sich alle Mühen doch gelohnt: Kim Ju Sik und Ryom Tae Ok dürfen an den Olympischen Winterspielen teilnehmen. Das Eiskunstlaufpaar aus Nordkorea hatte sich schon vor Monaten für die Spiele in Südkorea qualifiziert. Unklar aber blieb bis zuletzt, ob überhaupt eine Olympiamannschaft aus Pjöngjang nach Pyeongchang reisen würde. Dort beginnen die Wettbewerbe in vier Wochen. Die Zeit wurde also knapp.

Zum Glück für die beiden Eiskunstläufer und zum Glück auch für den friedlichen Verlauf der Spiele hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am Neujahrstag verkündet, er wolle gern eine Delegation nach Pyeongchang schicken. Während er in seiner Ansprache den amerikanischen Präsidenten Donald Trump damit provozierte, auf seinem Schreibtisch befinde sich ein Atomknopf in ständiger Reichweite, wünschte er der südkoreanischen Regierung für den Wettkampf der Nationen jeden Erfolg.

Ganz so leicht treibt man Verbündete nicht auseinander. Trotzdem reagierte Südkoreas Präsident Moon Jae In hoch erfreut und wies seine Minister sogleich an, ein Treffen mit dem Norden zu arrangieren. Dieses Treffen fand gestern im Grenzort Panmunjeom statt, und nun steht fest: Der Norden ist bei den Winterspielen dabei.

Dass dies für Präsident Moon ein Grund zur Erleichterung ist, wird jeder verstehen, der sich an die Sommerspiele 1988 in Seoul erinnert. Die wurden vom Norden nicht nur boykottiert. Zehn Monate vor Beginn der Spiele ließ das Regime in Pjöngjang, wie Ermittlungen ergaben, zwei Agenten eine Bombe an Bord einer südkoreanischen Verkehrsmaschine platzieren; am 29. November 1987 explodierte sie mit 115 Menschen an Bord. Der Terroranschlag, davon war die Regierung in Seoul überzeugt, sollte Sportler und Touristen von der Teilnahme an den Olympischen Spielen abschrecken.

Diesmal war das politische Umfeld noch dramatischer. Die Spannungen zwischen Pjöngjang und Washington waren im Laufe der vergangenen Monate so eskaliert, dass mancher die koreanische Halbinsel schon am Rande eines Atomkriegs sah. Athleten, Funktionäre und Zuschauer, die in diesen Wochen nach Südkorea reisen, dürften immer noch ein gewisses Unbehagen spüren. Pyeongchang liegt nur 80 Kilometer von der innerkoreanischen Grenze entfernt.

Gefahr droht ihnen nicht. Aber die Krise um das nordkoreanische Atomprogramm ist, trotz der Entspannungssignale dieser Tage, keineswegs ausgestanden. Nicht der olympische Frieden wird Kim Jong Un und Donald Trump zur Einsicht bringen. Aber jedes Gespräch, jeder Zeitgewinn kann nur hilfreich sein in einer Situation, die Diplomaten, Politiker und Militärs für hochgefährlich halten.

Südkoreas Präsident Moon Jae In hatte den Nordkoreanern kurz nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr vorgeschlagen, mit einer gemeinsamen Mannschaft bei den Winterspielen anzutreten. Der Norden hatte ihn keiner Antwort gewürdigt. Dreimal bereits – bei den Sommerspielen in Sydney 2000 und in Athen 2004, sowie bei den Winterspielen in Turin 2006 – waren die beiden verfeindeten Staaten unter dem Namen "Korea" und unter einer neutralen Fahne zu den Eröffnungsfeiern ins Stadion eingezogen. Danach kämpften die Mannschaften getrennt.

Schon im April dürften Großmanöver nachgeholt werden

Vermutlich wird es in Pyeongchang kein gemeinsames Team und keine neutrale Fahne geben. Immerhin, die Nordkoreaner sind dabei. Nicht nur mit einem Eiskunstlaufpaar, sondern wahrscheinlich auch mit Eisschnellläufern und Skilangläufern. Das IOC hat angedeutet, dass es bei den Nachnominierungen großzügig sein will.

Bei aller Erleichterung in Seoul: Gut ist damit noch gar nichts auf der koreanischen Halbinsel. Die geplanten Großmanöver der amerikanischen und südkoreanischen Streitkräfte sind zwar bis zum Ende der Winterspiele und der sich anschließenden Paralympics verschoben worden. Aber schon im April dürften sie nachgeholt werden. Und Kim Jong Un hat in seiner Neujahrsansprache, nun wieder an die Adresse Trumps gewandt, für 2018 die "Massenproduktion" von Nuklearsprengköpfen und ballistischen Raketen angekündigt.

Sportdiplomatie kann helfen. Aber einen Nuklearkonflikt kann sie nicht lösen. Der britische Economist könnte recht behalten, wenn er schreibt: "Rechnen Sie damit, dass dieses Jahr genauso nervenaufreibend sein wird wie 2017, wenn nicht mehr."