Die EU und der Staat Israel überlegen derzeit, wie sie mit Migranten aus Afrika verfahren, die keinen Anspruch auf Flüchtlingsschutz haben und dennoch nicht in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden können. Denn in vielen Fällen ist das rechtlich wie praktisch schwierig. Viele kamen ohne Pass, etliche haben ihn unterwegs oder nach ihrer Ankunft vernichtet. Mit der Ausstellung von Ersatzdokumenten lassen sich ihre Heimatländer oft lange Zeit. 

Die Europäische Union und auch der Staat Israel, der einige Zehntausend afrikanische Migranten beherbergt, suchen darum Mittel und Wege, um diese Schwierigkeiten zu umgehen. Doch die meisten Überlegungen sind kaum praktikabel, oft sogar haarsträubend und unmenschlich.

So hat in der EU derzeit wieder eine Idee Konjunktur, die alle paar Jahre auftaucht. Es geht dabei um die Errichtung sogenannter Aufnahmezentren in Nordafrika. Dort sollen die Migranten aufgehalten werden, bevor sie übers Mittelmeer setzen. Weiter soll dort entschieden werden, wer Anspruch auf Flüchtlingsschutz hat und wer nicht. Jeder, der sich nicht in ein solches Lager begibt, sondern eigenmächtig versucht, nach Europa zu gelangen, soll in diese Zentren zurückgebracht werden.

Aus europäischer Perspektive mag diese Idee verlockend klingen. Doch bislang hat nicht ein einziges nordafrikanisches Land auch nur einen Funken Interesse an einer derartigen Einrichtung auf seinem Staatsgebiet gezeigt. Egal, wie sehr die EU diese auch vergolden würde.

Warum sollten sie auch? Einerseits produzieren diese Staaten noch immer selbst Flüchtlinge und Migranten. Andererseits würden sie sich mit derartigen Zentren riesige Probleme schaffen. Zehn-, wenn nicht Hunderttausende von afrikanischen Migranten in tunesischen oder marokkanischen Aufnahmelagern wären in diesen sowieso schon äußerst fragilen Staaten ein zusätzlicher politischer, religiöser, ethnischer, wirtschaftlicher und sozialer Sprengstoff. 

Geld für die Aufnahme von Menschen

Und was geschähe mit jenen vielen Migranten, die nicht weiter nach Europa gelangten, weil sie weder Flüchtlingsschutz noch Arbeitsvisum erhielten? Wer würde ihren Unmut besänftigen? Wer würde dafür sorgen, dass sie die Zentren wieder verließen und in ihre Heimatstaaten zurückkehrten, statt in ihrem nordafrikanischen Gastland unterzutauchen?

Israel probt derzeit einen anderen Ausweg. Er erinnert fatal an einen modernen Menschenhandel. Gegen viel Geld versucht Israel, afrikanische Staaten wie Ruanda und Uganda dafür zu gewinnen, ihnen Flüchtlinge aus Eritrea und dem Sudan abzunehmen – oder besser gesagt: abzukaufen. Aber auch dieses Modell funktioniert nicht wirklich.

Derzeit leben in Israel etwa 35.000 Eriträer und Sudanesen. Sie kamen vor vielen Jahren ohne Visum als Flüchtlinge ins Land und stellten überwiegend Asylanträge.

In Eritrea herrscht eine brutale Diktatur, im Sudan außerdem noch Krieg. In Europa hätten vielen von ihnen, wenn nicht sogar die meisten, Flüchtlingsschutz erhalten. Doch Israel, obwohl Unterzeichnerstaat der Genfer Flüchtlingskonvention, gewährte laut der Tageszeitung Haaretz, die sich auf Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR beruft, bislang offenbar nur zehn von Zehntausenden Afrikanern Asyl: acht Eritreern und zwei Sudanesen.

Seit einiger Zeit gelangen kaum noch afrikanische Flüchtlinge nach Israel. Der Weg wurde ihnen versperrt. Die Regierung in Jerusalem hat auf dem Sinai an der Grenze zu Ägypten einen Zaun bauen lassen, 2013 wurde er fertiggestellt. Laut Haaretz schafften es 2016 nur noch elf Afrikaner über diese Sperranlage.