Die Türkei hat mit Wut auf den Schuldspruch eines New Yorker Gerichts gegen einen Manager der staatseigenen türkischen Halkbank reagiert und den Prozess als beispiellose Einmischung in innere Angelegenheiten des Landes kritisiert. Das Gericht habe sich auf "sogenannte Beweise" gestützt, die gefälscht und politisch beeinflusst seien, sagte das türkische Außenministerium zu dem Fall.

Vizeministerpräsident Bekir Bozdağ schrieb auf Twitter, das Urteil gegen Mehmet Hakan Atilla sei eine "rechtliche Schande". Es handele sich dabei um eine "politische Verschwörung", die keinen juristischen Wert für die Türkei habe, hieß es weiter. Auch der Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Ibrahim Kalin, äußerte sich zu der Sache: "Das ist ein skandalöses Urteil in einem skandalösen Prozess", sagte er.

Für Bozdağ habe der Schuldspruch die Beziehungen seines Landes mit den USA ernsthaft beschädigt, er könne negative Auswirkungen für alle zukünftigen Transaktionen haben. Schuld wies er auch einen alten Rivalen der Türkei zu: Die Entscheidung sei ein Beweis dafür, dass die USA, der US-Geheimdienst CIA und die US-Bundespolizei FBI mit dem Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen zusammenarbeiteten. Dem in den USA im Exil lebenden Gülen wird vorgeworfen, der Drahtzieher des Putschversuchs im Juli 2016 zu sein.

Atilla war wegen Beihilfe zur Umgehung amerikanischer Iran-Sanktionen von einer Geschworenenjury in fünf von sechs Anklagepunkten für schuldig befunden worden, unter anderem wegen Verschwörung zum Betrug an den USA. Das Strafmaß für Atilla wird am 11. April festgesetzt. Die Verteidigung des Bankers kündigte bereits Berufung an.

Die Halkbank sagte, Atilla habe das Recht, das Urteil anzufechten. Sie selbst sei nicht Partei in dem Verfahren gewesen. Das Institut hatte Fehlverhalten zurückgewiesen, ihre Geschäfte stünden in Einklang mit örtlichen und internationalen Vorschriften.

Der Prozess gegen Atilla säte erhebliches Misstrauen zwischen der Türkei und den USA. Augenzeugen beschrieben vor Gericht Korruption in den obersten Rängen der türkischen Regierung, woraufhin heftige Kritik der Führung in Ankara an der US-Staatsanwaltschaft folgte. Bozdağ sagte dazu: "Die Türkei ist ein vollständig souveränes und vollständig unabhängiges Land. Ein anderes Land kann die Institutionen der Türkei nicht vor Gericht stellen."