Die USA halten Teile der Zahlungen für das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA zurück. Laut einem Staatsbediensteten sei das Hilfswerk darüber informiert worden, dass die USA 65 Millionen Dollar der geplanten Zahlung von 125 Millionen Dollar zurückhielten. Bislang haben die USA dem UN-Hilfswerk 355 Millionen Dollar pro Jahr zur Verfügung gestellt und damit rund ein Drittel des Programms finanziert. 

Anfang Januar hatte US-Präsident Donald Trump die Zahlungen an das Palästinenserhilfswerk bereits infrage gestellt. So schrieb er auf Twitter, dass die USA den Palästinensern "Hunderte Millionen von Dollar" zahlten und dafür "weder Anerkennung noch Respekt" erhielten. Laut Trump wollten die Palästinenser nicht einmal über einen Friedensvertrag mit Israel verhandeln. "Aber wenn die Palästinenser nicht mehr bereit sind, über Frieden zu sprechen, warum sollten wir in der Zukunft irgendwelche dieser massiven Zahlungen an sie leisten?"

Führende Palästinenser werteten die Tweets des US-Präsidenten als Erpressung. So sagte die Politikerin Hanan Aschrawi, Trump habe im Alleingang die Grundlagen des Friedens zerstört, als er im Dezember Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt habe. "Trump hat unsere Suche nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit sabotiert", sagte sie. Die Palästinenser ließen sich jetzt nicht noch von ihm erpressen. Aschrawi hatte bei den Nahostfriedensverhandlungen mit Israel 1991 die palästinensische Delegation geleitet.

Ein Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte: "Jerusalem und seine heiligen Stätten stehen nicht zum Verkauf, nicht für Gold und nicht für Silber." Die radikalislamische Hamas sprach von einer "billigen, politischen Erpressung".

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn sprach sich indes für eine Anerkennung Palästinas als Staat aus. "Wir Europäer müssen zeigen, dass auch die Palästinenser ein Recht auf ihren eigenen Staat haben", sagte Asselborn der Süddeutschen Zeitung. "Wenn Frankreich mit der Anerkennung Palästinas vorangehen würde, würden weitere Staaten folgen, auch Luxemburg." Die Möglichkeit einer gemeinsamen Haltung aller EU-Staaten sieht Asselborn dem Bericht nach derzeit aber nicht. "Wir haben keine einheitliche Linie mehr." Das mache es derzeit unmöglich, eine aktive Nahostpolitik zu gestalten.

Fünf Millionen Flüchtlinge sind vom UN-Palästinenserhilfswerk abhängig

Das Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen unterstützt nach eigenen Angaben rund fünf Millionen palästinensische Flüchtlinge, unter anderem in Jordanien, im Libanon und in den Palästinensergebieten. Während des ersten Nahostkriegs von 1948 wurden mehr als 700.000 Palästinenser vertrieben oder sind geflohen. Sie und ihre Nachkommen sind von der Versorgung durch UNRWA abhängig. Bereiche des UN-Hilfswerks sind unter anderem Bildung, medizinische Versorgung, sowie Hilfs- und Sozialdienste. So sorgt das UN-Programm für bessere Unterkunftsbedingungen für palästinensische Flüchtlinge in den Gastländern und vergibt Kleinkredite an Einzelunternehmer und kleine Betriebe.

Die Entscheidung des US-Präsidenten, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, hatte in den vergangenen Wochen für gewaltsame Proteste auf palästinensischer Seite geführt. Israel wiederum reagierte mit tödlichen Militärschlägen. Im Zuge der Krise zogen die Palästinenser ihren Gesandten in den USA vorübergehend ab und erklärten, sie akzeptierten die USA nicht mehr als Vermittler bei etwaigen Friedensverhandlungen mit Israel. Die UN-Vollversammlung erklärte Trumps Entscheidung in einer Resolution für "null und nichtig".