Die Telefonleitung zwischen den Regierungen Nord- und Südkoreas war fast zwei Jahre lang tot. Das lag am Atomprogramm des Kim-Regimes in Nordkorea, das zu einer der gefährlichsten politischen Krisen weltweit geführt hat. Nun ist die Hotline zum Glück wieder aktiv, seit am Mittwoch pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt der Norden im Süden anrief und man zunächst ein paar technische Verbindungsfragen besprach.

Das Telefonat kann ein Entspannungssignal sein, denn die Fronten zwischen Nordkorea und dem Westen sind verhärtet. Das liegt daran, dass Nordkorea illegal Raketen und Atombomben baut, die USA und den Westen als Erzfeinde deklariert und dazu noch eine grausame Diktatur ist. Wahrscheinlich verfügt der Norden jetzt über Langstreckenraketen, die auch das Festland der USA erreichen könnten. Unbekannt ist noch, ob diese Raketen mit einem Atomsprengkopf bestückt werden und den Wiedereintritt in die Atmosphäre überstehen können.

Seit 2017 sind zu der ohnehin brandgefährlichen Krise die unkontrolliert apokalyptischen Tweets von US-Präsident Donald Trump hinzugekommen, was die Lösung nicht einfacher macht und die Angst vor einem (atomaren) Krieg schürt. Wobei Trump für das Nordkorea-Problem zunächst einmal überhaupt nichts kann, denn er hat es ungelöst von seinen Vorgängern Barack Obama und George W. Bush Jr. geerbt.

Kims Lebensversicherung

Nun ist aber kein Land stärker von dem Konflikt betroffen als das demokratische Südkorea, ein wichtiger US-Alliierter in Ostasien. Seit Mai wird es vom liberalen Präsidenten Moon Jae In regiert, der sich seitdem um eine Verständigung mit dem Norden bemüht. Bis jetzt wurden seine Kommunikationsversuche in Pjöngjang eiskalt ignoriert, stattdessen testete man im Norden weiter Raketen und Atombomben. Am Montag aber deutete Kim Jong Un erstmals an, dass er dialogbereit wäre und sein Land im Februar an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang teilnehmen könne.

Moons Bemühungen um Deeskalation sind also durchaus erfolgreich. Er hat sich auf das Geschrei Kims und Trumps nicht eingelassen und er hat Südkorea als diplomatischen Faktor wieder ins Spiel gebracht – was zuletzt zunehmend eine Angelegenheit der USA und Chinas zu werden schien. Dabei hat Moon sich auch über die USA hinweggesetzt, die Gespräche nur zulassen wollten, wenn der Norden sein Atomprogramm einstellt. Moon ist daran gelegen, Olympia störungsfrei über die Bühne zu bringen. Sein Vereinigungsminister Cho Myong Gyon erklärte daher auf Kims Ansprache postwendend: "Die Regierung ist zu Gesprächen mit Nordkorea zu jeder Zeit, an jedem Ort und in jeglicher Form bereit."

Und genau da liegt die Krux des kimschen Angebotes, denn Südkoreas Regierung wird in Gesprächen kaum das Atomprogramm Kim Jong Uns auslassen können. Darauf wird Kim sich aber nicht ernsthaft einlassen wollen, der Norden weigert sich seit Jahren, darüber zu reden. Das Atomprogramm ist Kims Lebensversicherung.

Deswegen kann Moons kleiner diplomatischer Erfolg auch zur Falle werden. Kim Jong Un könnte Konzessionen hinsichtlich des Atomarsenals andeuten und diese damit verbinden, dass die UN-Sanktionen gegen Nordkorea abgeschwächt oder sogar aufgehoben werden. Und er will mit Sicherheit wieder Unterstützung aus dem reichen Süden, humanitäre Hilfen zum Beispiel oder einfach nur Geld. Sein Vater Kim Jong Il ist in den 2000er-Jahren mit solch einer Strategie bereits erfolgreich gewesen.