In Wien sind zahlreiche Menschen gegen die Politik der rechtskonservativen Regierung auf die Straße gegangen. Nach Polizeiangaben nahmen rund 20.000 Menschen an dem friedlichen Protest teil – die Organisatoren sprachen von bis zu 50.000 Demonstranten.

Linke Gruppen und Befürworter einer toleranten Asylpolitik hatten die österreichische Bevölkerung zur Demonstration aufgerufen. Mit Pfeifkonzerten und Transparenten protestierten die Teilnehmer gegen die Politik der im Dezember gebildeten Regierung. Sie werfen der Koalition aus der konservativen ÖVP von Bundeskanzler Sebastian Kurz und der rechten FPÖ rassistische, rechtsextreme und neofaschistische Tendenzen vor. Viele fürchten außerdem einen Sozialabbau.

"Unser Land wird nicht von den neuen Faschisten erobert werden", sagte Michael Genner, Aktivist der Plattform für eine menschliche Asylpolitik, bei der Auftaktkundgebung. Zu den Organisatoren des Protests gehörten auch die Offensive gegen Rechts und die Plattform Radikale Linke.

Zuvor hatte FPÖ-Parteichef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache bekräftigt, dass die Koalition die illegale Migration nach Österreich stoppen werde. Beim traditionellen Neujahrstreffen seiner Partei in Vösendorf warf er den politischen Verantwortungsträgern ein "völliges Versagen" während der Flüchtlingskrise vor. Der österreichische Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) hatte zudem angekündigt, Asylbewerber künftig "konzentriert" in Grundversorgungszentren unterbringen zu wollen.

Nach der Nationalratswahl im Oktober haben ÖVP und FPÖ gemeinsam eine Koalition gebildet. Die neue Regierung unter ÖVP-Obmann Sebastian Kurz will einen härteren Kurs gegen Einwanderung fahren und Sozialleistungen kürzen. Des Weiteren soll es Steuersenkungen und eine Entbürokratisierung geben. Bereits im Jahr 2000 hatten ÖVP und FPÖ zusammen regiert, die Österreicher protestierten mehrfach gegen das Bündnis. An der größten Demonstration beteiligten sich damals bis zu 250.000 Menschen.