In Österreich steht ein Politiker der FPÖ wegen eines Buchs mit Nazi-Liedern in der Kritik. Wie das Magazin Falter berichtet, ist der FPÖ-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niederösterreich, Udo Landbauer, auch der stellvertretende Vorsitzende der Burschenschaft, die das Liederbuch herausgegeben hat. In den Texten werden demnach der Holocaust und andere Gräueltaten der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg verherrlicht.

In einem der Lieder heißt es laut dem Bericht: "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: 'Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'". Im Holocaust wurden sechs Millionen Juden ermordet, Ben Gurion war der Staatsgründer und erste Regierungschef Israels. Andere Lieder verherrlichen demnach die deutsche Legion Condor, die die spanische Stadt Guernica zerstörte, sowie Gräueltaten der Wehrmacht auf Kreta.

Ein Sprecher der FPÖ sagte der Nachrichtenagentur APA, Landbauer habe mit dem Liederbuch "nichts zu tun". Wenn das Buch, wie vom Falter geschrieben, "im Jahr 1997 neu überarbeitet in Druck geschickt" worden sei, sei Landbauer zu diesem Zeitpunkt gerade einmal "elf Jahre alt" gewesen. Die Burschenschaft werde zudem eine neue Ausgabe des Buchs auflegen, in denen Lieder, "die mit dieser unseligen Zeit verbunden sind, nicht mehr vorkommen".

Landbauer lässt Mitgliedschaft in Burschenschaft ruhen

Landbauer selbst zeigte sich "entsetzt". Er habe durch den Medienbericht "zum ersten Mal" von dem Buch erfahren und ziehe "sofort die notwendigen Konsequenzen", teilte der FPÖ-Politiker mit. Er werde seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft ruhen lassen und sich für die Einsetzung einer Untersuchungskommission einsetzen.

Die "skandalöse Angelegenheit" müsse "restlos und umfassend" geklärt werden, "gegebenenfalls auch vor Gericht", heißt es in der Mitteilung weiter. "Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind etwas sehr Hässliches und müssen auch nur in der kleinsten Dosis entschieden verurteilt und bekämpft werden."

Kanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz teilte über Twitter mit, die Liedtexte seien "rassistisch, antisemitisch und absolut widerwärtig". Dafür dürfe es in Österreich keinen Platz geben. "Es braucht daher volle Aufklärung und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden", forderte Kurz.

Die sozialdemokratische SPÖ forderte Landbauers sofortigen Rücktritt. Auch die liberalen Neos forderten Konsequenzen.

Vor der Landtagswahl in Niederösterreich am Sonntag liegt die FPÖ in Umfragen mit 16 bis 21 Prozent auf dem dritten Platz. Bei der Parlamentswahl Mitte Oktober war die FPÖ mit 26 Prozent der Stimmen ebenfalls auf Platz drei gekommen. In der Koalition mit der ÖVP besetzt die Partei sechs Ministerien, darunter das Innen- und Außenministerium. FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache war in jungen Jahren in der rechtsradikalen Szene aktiv. Heute stellt er das als Jugendsünde dar.