Der österreichische Innenminister Herbert Kickl von der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) will Asylbewerber künftig "konzentriert" in "Grundversorgungszentren" unterbringen. Kickls Wortwahl während einer Pressekonferenz in Wien führte zu Nachfragen von Journalisten, die auf den Anklang an NS-Konzentrationslager hinwiesen. Kickl antwortete darauf, er habe "keinerlei Provokation" beabsichtigt.

Es sei auch möglich, von Orten zu sprechen, "wo man Menschen zusammenfasst an einem Raum", sagte der Innenminister weiter. Es gehe einzig um mehr Sicherheit in Österreich. In den "Grundversorgungszentren" könnten etwa Asylbescheide leichter zugestellt werden.

Die Äußerungen eines Führungsmitglieds einer von ehemaligen Nazis gegründeten Partei lösten in sozialen Medien viele Reaktionen aus. Alexander Pollak von der Hilfsorganisation SOS Mitmensch sprach von einer "bewussten Provokation". Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou von den Grünen nannte die Formulierung ein "unerträgliches Spiel mit der dunkelsten Zeit unserer Geschichte". Die Asylsprecherin der Neos, Steffi Krisper, zeigte sich entsetzt: "Dass dem für seine Wortspiele und Reime so bekannten Innenminister so eine Formulierung schlicht passiert, kann ich beim besten Willen nicht glauben", sagte Krisper. Auch sie sprach von einer bewussten Provokation, "die dann im Anschluss nur halbherzig zurückgewiesen wird". Sie forderte eine "echte und glaubwürdige" Entschuldigung.

Auch Strache fühlte sich missverstanden

Vizekanzler Heinz-Christian Strache, ein Parteifreund Kickls, hatte erst vor einer Woche in einem Fernsehinterview Überlegungen zur Unterbringung von Flüchtlingen in leerstehenden Kasernen formuliert, für die ab einer gewissen Abendzeit eine Ausgangssperre gelten müsse. Später sagte der FPÖ-Chef, seine Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen und "überinterpretiert" worden.

Österreich wird seit dem 18. Dezember von einer Koalitionsregierung aus der konservativen Volkspartei (ÖVP) und der FPÖ regiert. Die von ÖVP-Chef Sebastian Kurz geführte Regierung hat einen harten Kurs gegen Asylbewerbern und Flüchtlingen angekündigt. Die FPÖ stellt sechs Minister. Unter anderem hat sie die Schlüsselressorts Inneres, Äußeres und Verteidigung inne.