Großbritanniens ehemaliger Premierminister Tony Blair befürchtet, dass nach dem Brexit weitere Staaten die EU verlassen könnten. "In allen EU-Staaten findet man derzeit dieselben Ängste, dieselben Spannungen wie jene, die zum Brexit geführt haben", sagte Blair der Welt und anderen europäischen Medien. Der Brexit müsse genutzt werden, um Antworten auf die ihm zugrunde liegenden Probleme zu finden. "Sonst wird Europas Populismus nur noch wachsen", sagte Blair.

Der EU-Ausstieg der Briten müsse zudem zu einem Umdenken führen, von dem beide Seiten profitieren könnten. Die EU dürfe den Brexit nicht als ausgemachte Sache abtun, sagte er weiter. "Im für den Brexit entscheidenden Jahr 2018 darf Europas politische Führung nicht in schulterzuckenden Fatalismus verfallen", sagte der ehemalige Chef der Labour-Partei, der von 1997 bis 2007 Regierungschef war.

Laut Blair soll die EU nicht vor Reformen zurückzuschrecken, etwa in Form einer zeitlich begrenzten Aussetzung der EU-Personenfreizügigkeit. Er glaubt, dass dies "die Briten mit Europa versöhnen und die Europäer generell der Union wieder näherbringen" könnte.

An die restlichen 27 EU-Staaten appellierte der Ex-Premier, die Tür zur Mitgliedschaft während der Brexit-Verhandlungen offen zu halten. Damit würden proeuropäische Kräfte in Großbritannien gestützt werden. Mit Blick auf die Brexit-Anhänger, die ein Abweichen vom Austritt als Verrat an der Demokratie ansehen, sagte Blair: "Wir haben das Recht, unsere Entscheidung zu überdenken, sobald wir die Bedingungen sehen, unter denen der Ausstieg erfolgen soll. Daran ist nichts undemokratisch."