Im Iran sind laut Berichten auch in der Nacht auf Mittwoch Demonstranten auf die Straße gegangen. Auch von Gewalt und weiteren Festnahmen war die Rede. Die Berichte und Videos lassen sich aber unabhängig nicht verifizieren. Die staatlichen Medien des Landes haben sie bis jetzt weder bestätigt noch kommentiert.

Die Proteste hatten vergangene Woche begonnen und sich zunächst gegen wirtschaftliche Missstände im Iran gerichtet. Inzwischen zielt die Kritik gegen die iranische Führung. Bislang wurden dabei 21 Menschen getötet, unter ihnen 16 Demonstranten. Nach Angaben des stellvertretenden Sicherheitschefs von Teheran, Ali Asghar Nasserbacht, wurden in den vergangenen drei Tagen zudem 450 Menschen festgenommen.

Die USA haben den Weltsicherheitsrat und den UN-Menschenrechtsrat dazu aufgerufen, wegen der anhaltenden Unruhen Dringlichkeitssitzungen abzuhalten. Die internationale Gemeinschaft müsse den Ruf der Iraner nach Freiheit unterstützen, forderte die US-Botschafterin der Vereinten Nationen, Nikki Haley. Ihr Land werde die Sondersitzungen in den kommenden Tagen beantragen.

"Nirgends wird die Dringlichkeit von Frieden, Sicherheit und Freiheit mehr getestet als im Iran", sagte Haley. Die USA lobten daher "den enormen Mut des iranischen Volkes". Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, sicherte ihnen die Unterstützung der USA zu. "Wir rufen das Regime dazu auf, die grundlegenden Rechte seiner Bürger zu respektieren und sie friedlich ihren Wunsch nach Wandel zum Ausdruck bringen zu lassen", sagte sie in Washington. Sie vermied es jedoch, zu einem Regimewechsel im Iran aufzurufen.

Sanders wies außerdem die Vorwürfe von Irans geistlichem Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei zurück, dass ausländische Mächte für die Proteste im Land verantwortlich seien. Laut Sanders handele es sich bei den Unruhen stattdessen um einen "organischen Volksaufstand, organisiert von tapferen iranischen Bürgern".

Unruhen im Iran - Chamenei macht "Feinde des Landes" für Proteste verantwortlich Bei Demonstrationen gegen die iranische Regierung sind bereits mehr als 20 Menschen getötet worden, die Proteste dauern weiter an. Irans religiöses Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei macht "ausländische Mächte" für die Unruhen verantwortlich. © Foto: Office of the Iranian Supreme Leader/AP/dpa

USA drohen mit neuen Sanktionen

Das US-Außenministerium wies unterdessen darauf hin, dass die Regierung weitere Sanktionen gegen den Iran erheben könne. Die USA beobachteten sehr genau, ob mögliche Menschenrechtsverstöße gemeldet würden.

Der Vorsitzende des Revolutionsgerichts in Teheran, Moussa Ghasanfarabadi, zog für manche Demonstranten die Todesstrafe in Erwägung. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Tasnim zitierte ihn mit den Worten, ein Vorwurf gegen sie könne die "Feindschaft gegen Gott" sein – ein Vergehen, auf das im Iran der Tod steht.