Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seine Pläne für einen Militärschlag auf kurdische Gebiete im Norden Syriens konkretisiert. Die Stadt Afrin müsse "in den kommenden Tagen" mit einem Angriff rechnen. Ziel des Einsatzes sei es, "unsere südliche Grenze vom Terror zu säubern", sagte Erdoğan vor Anhängern seiner AKP in Tokat. Afrin ist ein Standort der kurdischen Miliz YPG. Die Türkei stuft die Kurdenmiliz als Terrorgruppe mit Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK ein, die in der Türkei selbst für mehr Autonomie für die Kurden kämpft.

Zuvor hatte Erdoğan die YPG bereits zur Kapitulation aufgefordert und gedroht, sie innerhalb von "weniger als einer Woche" zu vernichten. Ein Sprecher der YPG berichtete von Gefechten in der Nacht zum Sonntag. Dabei seien ein YPG-Kämpfer getötet und mehrere Zivilisten verletzt worden. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete vom Beschuss der YPG durch die Türkei am Samstag und Sonntag.

Erdoğan sagte, er hoffe bei dem geplanten Militärschlag gegen Afrin auf Unterstützung durch die USA. "In diesem Prozess erwarten wir von unseren Verbündeten, dass sie im Geiste unserer tief verwurzelten Beziehungen handeln." Die USA betrachten die YPG-Miliz jedoch als einen ihrer effizientesten Verbündeten im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" und haben sie in der Vergangenheit mehrfach mit Waffen ausgestattet.

"Trotz allem glauben wir, dass wir gemeinsame Interessen mit Amerika in der Region haben, und hoffen, dass wir gemeinsam handeln können", sagte Erdoğan. Die USA sollten "die legitimen Anstrengungen der Türkei unterstützen". Er hoffe, "dass diese Mächte während eines Afrin-Einsatzes nicht den Fehler machen, auf derselben Seite wie eine Terrororganisation zu erscheinen". Im November hatten türkische Regierungsvertreter mitgeteilt, US-Präsident Donald Trump habe zugesagt, die Waffenlieferungen an die YPG einzustellen. 

Zuletzt war die türkische Regierung erbost über eine geplante neue Grenztruppe, in der die YPG eine entscheidende Rolle spielen soll. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters war in der vergangenen Woche deswegen ein US-Diplomat einbestellt worden. Die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition hatte angekündigt, 30.000 zusätzliche Kämpfer an den Grenzen des von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) kontrollierten Gebiets einzusetzen. Die SDF sind ein Bündnis von Milizen in Nord- und Ostsyrien, das von der YPG dominiert wird.

Die türkischen Soldaten an zwei Standorten nahe Afrin sind Teil der Operation Schutzschild Euphrat. Die Türkei war 2016 gemeinsam mit von ihr unterstützten Rebellen in die nordsyrische Region um Dscharabulus einmarschiert. Ziel dieser Operation war, den IS von der türkischen Grenze zu vertreiben. Die Türkei bekämpfte aber zugleich die YPG und setzte sich dabei zwischen den kurdisch kontrollierten Gebieten um Afrin und Manbidsch fest. Mittlerweile kontrolliert die Türkei eine rund 2.000 Quadratkilometer große Fläche in Nordsyrien.