Der mutmaßlich aus Deutschland verschleppte Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh ist in Vietnam zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach zweiwöchigem Prozess wertet es ein Gericht in der Hauptstadt Hanoi als erwiesen, dass sich der 52-Jährige sowohl der Korruption als auch Wirtschaftsverbrechen schuldig gemacht habe. Mit dem Strafmaß blieb der Richter unter der Höchststrafe: Thanh hatte in dem Verfahren ein Todesurteil gedroht.

Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam. Die Bundesregierung ist davon überzeugt, dass der ehemalige kommunistische Funktionär und Manager eines staatlichen Baukonzerns vom vietnamesischen Geheimdienst aus Berlin entführt wurde.

Zeugen hatten beobachtet, wie Thanh im Berliner Tiergarten mit Gewalt in ein Auto gezerrt wurde. Einige Tage später tauchte er in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi auf, wo er seither inhaftiert ist. In einem TV-Auftritt behauptete Thanh, aus freien Stücken zurückgekehrt zu sein, um sich seiner Verantwortung zu stellen. Unter welchen Bedingungen die Aussage zustande kam, blieb unklar.

Die vietnamesische Regierung beharrt ebenfalls darauf, dass Thanh freiwillig zurückgekehrt sei, um sich dem Verfahren zu stellen.

Asyl in Deutschland beantragt

Thanh wird in Vietnam vorgeworfen, als früherer Chef der Staatsfirma PetroVietnam Construction (PVC) unter anderem Staatsgelder in Millionenhöhe veruntreut sowie Schmiergelder angenommen zu haben. Er soll für Verluste von umgerechnet etwa 125 Millionen Euro verantwortlich sein. Seine deutschen Anwälte hingegen sehen ihn als "Opfer eines Machtkampfs innerhalb der KP" (Kommunistische Partei Vietnams).  

2016 war Thanh nach Deutschland geflohen, um einem Prozess zu entgehen, und hatte sich um eine Anerkennung als Asylbewerber bemüht. Seine Anwälte behaupten, dass er niemals freiwillig in seine Heimat zurückgekehrt wäre.

Thanh selbst hatte um ein mildes Urteil gebeten. Am Mittwoch soll in Hanoi ein weiterer Korruptionsprozess gegen ihn beginnen. Dabei droht dem Geschäftsmann abermals die Todesstrafe.