Ein türkisches Strafgericht hat die Fortsetzung der Haft für zwei prominente Journalisten angeordnet. Damit widersetzte es sich der Forderung des Verfassungsgerichts, das nur Stunden zuvor ihre Freilassung gefordert hatte. Das Strafgericht habe die Fälle von Mehmet Altan und Şahin Alpay infolge der Entscheidung der Verfassungsrichter neu bewertet, meldeten die türkischen Nachrichtenagenturen Doğan und Anadolu. Es habe aber die Anträge der beiden auf Haftentlassung abgewiesen. 

Laut Gerichtsprotokoll hatten die Richter des Verfassungsgerichts zuvor mehrheitlich entschieden, dass die per Verfassung geschützte Freiheit der Meinungsäußerung und der Presse verletzt wurde. Altan und Alpay sind seit mehr als einem Jahr in Haft. Anwälte anderer inhaftierter Journalisten hatten die Hoffnung ausgedrückt, dass die Entscheidung des Verfassungsgerichts ein Präzedenzfall für andere Häftlinge sein könnte.   

Seit dem gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016 wurden in der Türkei zahlreiche Journalisten festgenommen und oft monatelang in Untersuchungshaft gehalten – ohne Anklage und ohne Anhörung. Neben Altan und Alpay sitzen noch mindestens 149 weitere Journalisten in türkischer Haft. Altan und Alpay werden, wie vielen der inhaftierten Journalisten, Verbindungen zu terroristischen Organisationen und eine Beteiligung an dem Umsturzversuch vorgeworfen. Beide wiesen die Anschuldigungen zurück.

Alpay war Kolumnist der Zeitung Zaman, die als Sprachrohr der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen galt. Die Gülen-Bewegung wird für den Putschversuch im Sommer 2016  verantwortlich gemacht, 55.000 mutmaßliche Anhänger sitzen in Haft. Inzwischen ist die auflagenstarke Zeitung geschlossen.

Altan ist Ökonom und Autor. Er ist zusammen mit seinem Bruder Ahmet Altan und der renommierten Kolumnistin Nazlı Ilıcak angeklagt, vor dem Putsch verdeckte Botschaften in den Medien verbreitet zu haben.