Die Präsidentschaftswahl in Venezuela soll mindestens acht Monate früher als geplant stattfinden. Die verfassunggebende Versammlung billigte einen entsprechenden Vorschlag des Vizechefs der Sozialistischen Partei (PSUV), Diosdado Cabello. Die Wahl soll nun spätestens im April abgehalten werden. Laut Cabello werden die Sozialisten den amtierenden Präsident Nicolás Maduro zur Wiederwahl aufstellen. Der Nationale Wahlrat (CNE) werde den genauen Wahltermin festlegen.

Maduro hatte die verfassunggebende Versammlung im August eingeführt und damit das von der Opposition dominierte Parlament entmachtet. In der Versammlung haben die regierenden Sozialisten die Mehrheit.

Parteivize Cabello sagte, die vorgezogene Wahl sei eine Antwort auf die von den USA und der EU verhängten Sanktionen gegen Venezuela. Diese hätten einen Regierungswechsel zum Ziel. "Wenn die Welt Sanktionen anwenden will, wenden wir Wahlen an", sagte er. "Imperiale Mächte" und andere Kräfte verfolgten eine "systematische Hasskampagne" gegen Venezuela.

Am Montag hatte die EU Einreiseverbote und Vermögenssperren gegen sieben venezolanische Minister und ranghohe Beamte verhängt, darunter auch gegen den Parteivize Cabello. Die Betroffenen würden Menschenrechte verletzen und gegen demokratische Prinzipien oder gegen die Rechtsstaatlichkeit verstoßen, hieß es zur Begründung. Auch die USA hatten bereits Sanktionen verhängt. Unter anderem dürfen US-Bürger keine Geschäftsbeziehungen zu Maduro haben.

Die EU hatte die Entscheidung für Sanktionen damit begründet, dass so eine Lösung des Konflikts zwischen der Regierung und der Mitte-rechts-Opposition auf demokratischem Weg vorangebracht werden könne. Venezuelas linksnationalistische Regierung nannte die Maßnahmen jedoch einen "Schlag gegen den Dialog" mit der Oppositionskoalition Tisch der demokratischen Einheit (MUD). Die Opposition habe sich aus den mit der Regierung seit Anfang Dezember in der Dominikanischen Republik geführten Gesprächen "unter nichtigen Vorwänden zurückgezogen", sagte Cabello. Er bezog sich damit auf die Abwesenheit der MUD-Vertreter bei der vierten Gesprächsrunde, die am vergangenen Donnerstag stattfinden sollte.

"Erlösung vom Hunger gegen Stimmen"

Die Opposition warnt seit Monaten davor, dass Maduro das Land in eine Diktatur verwandele. Im Dezember hatte Maduro drei der größten Oppositionsparteien von der Wahl ausgeschlossen. Viele führende Politiker der Opposition sitzen derzeit in Haft, stehen unter Arrest oder sind ins Exil geflohen. Henrique Capriles, der bei der Wahl 2013 nur knapp gegen Maduro verlor, hatte im vergangenen Jahr ein 15-jähriges Ämterverbot erhalten.

Trotz großer Ölvorkommen herrscht in Venezuela seit Jahren eine Wirtschafts- und Finanzkrise. Die hohe Inflation hat dafür gesorgt, dass viele Lebensmittel kaum noch zu bezahlen sind. Außerdem gibt es Versorgungsengpässe. Viele Menschen hungern, immer wieder kommt es zu Plünderungen. Maduro hatte die Hungerkrise indes als "Erfindung" bezeichnet.

Die regierende Sozialistische Partei versucht seit Monaten, ihre Macht zu festigen. Trotz der desolaten Lage des Landes, hat Maduro gute Chancen die Wahl zu gewinnen. Venezolaner, die sich bereit erklären, die Regierung zu unterstützen, erhalten stark subventionierte Lebensmittelpakete. Der venezolanische Schriftsteller Leonardo Padrón kritisierte diese Regelung als Erpressung, als "Erlösung vom Hunger gegen Stimmen".