Israelische Oppositionspolitiker haben Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zum Rücktritt aufgefordert, nachdem die Polizei eine Anklage wegen Korruptionsverdacht gegen den Regierungschef empfohlen hat. Das werfe "einen dunklen Schatten auf den Regierungschef", sagte Ilan Gilon von der linksliberalen Merez-Partei. Er forderte Netanjahu auf, zurückzutreten oder sein Amt ruhen zu lassen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung wiederherzustellen. Der Vorsitzende der Arbeitspartei, Avi Gabai, sagte: "Die Ära Netanjahu geht zu Ende."

Die Empfehlung der Polizei erfolgte nach etwa einjährigen Ermittlungen gegen Netanjahu. Es seien ausreichend Beweise für Bestechlichkeit, Betrug und Untreue in zwei Fällen gesammelt worden, teilte ein Sprecher mit. Eine endgültige Entscheidung über eine Anklage muss die Staatsanwaltschaft treffen. Während dieser Zeit kann Netanjahu im Amt bleiben. Es wird erwartet, dass die Entscheidung in der Justiz erst in mehreren Monaten erfolgen wird.

Netanjahu wies die Vorwürfe als "absurd" zurück. Er sei sicher, dass die Wahrheit ans Licht kommen werde, sagte er in einer Fernsehansprache am Dienstag. Er werde an seinem Amt festhalten und hoffe auf einen Sieg auch bei den nächsten Wahlen.

Netanjahu war seit Beginn 2017 mehrmals in der Sache befragt worden. Der Regierungschef steht wegen laufender Korruptionsermittlungen schon länger in der Kritik.

Israel - Polizei empfiehlt Anklage gegen Netanjahu Die israelische Polizei hat der Staatsanwaltschaft empfohlen, Regierungschef Benjamin Netanjahu wegen Korruptionsverdachts anzuklagen. Laut einem Sprecher seien ausreichend Beweise dafür gesammelt worden. © Foto: REUTERS/Ronen Zvulun/File Photo