Die Bundeswehr baut eines der zwei geplanten neuen Hauptquartiere der Nato. Das bestätigte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Rande eines Nato-Treffens in Brüssel. Das neue Kommandozentrum soll demnach für schnelle Truppen- und Materialtransporte genutzt werden. "Deutschland hat angeboten, Rahmennation zu sein, und dafür sind die anderen sehr dankbar", sagte die Ministerin. Für die Bundesrepublik hätten die Lage "im Herzen Europas" und die "Erfahrung bei dem Thema Logistik und Unterstützung" gesprochen.

Wo genau das neue Logistikhauptquartier in Deutschland aufgebaut werden soll und wie viele Soldatinnen und Soldaten dort stationiert werden, ist noch nicht abschließend entschieden. Als Favorit für den Standort ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die Region Köln-Bonn im Gespräch. Dort haben schon heute die Streitkräftebasis und das Streitkräfteamt der Bundeswehr ihren Sitz. 

Mit der Stärkung ihrer Kommando- und Streitkräftestruktur reagiert die Nato vor allem auf die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands. Im Zuge der Entspannungspolitik waren die Strukturen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert worden. Von den zeitweise 33 Hauptquartieren sind nach Nato-Angaben heute nur noch sieben übrig. Die Personalstärke sank von deutlich mehr als 20.000 Soldatinnen und Soldaten auf rund 6.800. 

In einem als geheim eingestuften Nato-Bericht äußerten ranghohe Militärs zuletzt Zweifel daran, ob die Allianz derzeit angemessen und schnell genug auf einen russischen Überraschungsangriff reagieren könnte. Sorgen bereiten neben dem Zustand von militärisch nutzbaren Straßen- und Schienenverbindungen in Richtung Osten vor allem bürokratische Hürden beim Transport von Truppen und Ausrüstung. 

Zweites Hauptquartier vermutlich in den USA

Es brauche ein "militärisches Schengen", sagte von der Leyen in Brüssel. "Wenn man im Spannungs- oder Krisenfall schnell Truppenbewegungen über große Strecken innerhalb Europas unternehmen muss, dann muss das genau geplant sein und mit großer Geschwindigkeit und Effizienz vor sich gehen." 

Neben Deutschland werden vermutlich die USA ein weiteres Kommando aufbauen, um die Transportwege zwischen Nordamerika und Europa über den Atlantik besser zu sichern. Dabei geht es auch um den Schutz sensibler Infrastruktur. Im Atlantik liegen zum Beispiel Datenkabel, über die Internet- und Kommunikationsverbindungen laufen. 

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wies den Vorwurf zurück, dass die Nato durch den Aufbau der zwei neuen Kommandozentren ein neues Wettrüsten mit Russland provozieren könnte. "Was wir machen, ist verhältnismäßig und maßvoll", sagte der Norweger in Brüssel.

Viele Jahre lang hätten die Bündnisstaaten ihre Verteidigungsausgaben gesenkt, abgerüstet und versucht, eine Partnerschaft mit Russland aufzubauen. Dann aber habe Russland mit der Destabilisierung der Ukraine begonnen und 2014 die Schwarzmeerhalbinsel Krim annektiert. "Wir wollen keinen neuen Kalten Krieg und wir wollen kein neues Wettrüsten", sagte Stoltenberg. Die Nato müsse aber neben der Dialogbereitschaft auch die Verteidigungsfähigkeit sicherstellen.