Ein irakisches Gericht hat eine Deutsche, die ihrem Mann in den "Islamischen Staat" gefolgt war, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Gabor Subai, deutscher Anwalt von Fatima M., bestätigte ZEIT ONLINE, dass seine Mandantin ein Jahr in Haft muss, weil sie illegal in den Irak eingereist war. Zusätzlich soll M. eine Geldstrafe von 400 Dollar bezahlen. Den Vorwurf, M. sei Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen, ließ das Gericht in Bagdad hingegen fallen. Der 30-Jährigen hätte dafür die Todesstrafe gedroht.

Fatima M. wurde in Russland geboren, lebte vor ihrer Auswanderung in das IS-Gebiet aber in Detmold. Sie besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Die Ausreise ins "Kalifat" sei die Idee ihres Ehemannes gewesen, hatte sie dem deutschen Bundeskriminalamt bei einer Vernehmung in Bagdad gesagt. Das BKA kam damals in einem Vermerk zu dem Ergebnis, bei Fatima M. sei eine "extremistische Gesinnung nicht feststellbar." Sie habe es wohl als ihre Pflicht als Ehefrau begriffen, ihrem Ehemann zu folgen.

Ihr Ehemann kam kurz nach der Übersiedlung in den IS-Pseudostaat ums Leben. Fatima M. lebte zuletzt mit ihren beiden Kindern in Mosul. Als irakische Truppen die Stadt befreiten, wurde sie im Juli 2017 festgenommen. Bei einem Luftangriff hatte sie kurz zuvor ihre beiden Kinder aus den Augen verloren; bis heute ist unklar, ob sie noch am Leben sind.

Fatima M. ist die zweite deutsche Staatsbürgerin aus den vormaligen IS-Gebieten, deren Fall bislang vor einem irakischen Gericht verhandelt wurde. Im Januar war die Mannheimerin Lamia K. zum Tode verurteilt worden. Im Fall der jungen Ostdeutschen Linda W., die ebenfalls in Bagdad in Haft sitzt, ist noch kein Urteil ergangen.