Bei einem US-Luftangriff auf Regierungskräfte in Syrien in der vergangenen Woche sollen laut russischen Medienberichten auch russische Söldner getötet worden sein. Der Kreml bestätigte die Berichte allerdings nicht, sondern gab an, in das Gefecht seien keine russischen Soldaten verwickelt gewesen. Man wolle die Berichte aber überprüfen.

Recherchen von ZEIT ONLINE zufolge soll Russland in Syrien neben regulären Soldaten auch Söldner einer Privattruppe einsetzen. Die bezahlten Kämpfer gehören demnach nicht zur Armee, weshalb das Dementi des russischen Verteidigungsministeriums zu dem Vorfall vom 7. Februar formal korrekt ist. 

Nach Darstellung der USA hatten Milizen der syrischen Regierung in der Provinz Dair as-Saur eine Stellung der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) attackiert. Diese sollten Hilfe angefordert haben, und die amerikanischen Streitkräfte hätten den Angriff mit Artillerie, Flugzeugen und Hubschraubern abgewehrt. Dabei sollen auf syrischer Regierungsseite zahlreiche Kämpfer getötet worden sein. 

Nach Anti-IS-Kampf brechen alte Fronten wieder auf

Dair as-Saur stand bis vor Kurzem unter der Kontrolle der Terrormiliz "Islamischer Staat". Die SDF, die von den USA unterstützt werden und syrische Regierungstruppen, die von Milizen unterstützt werden, konnten das Gebiet allerdings zurückerobern. Seitdem aber verschieben sich die Fronten – die SDF und die Regierungstruppen stehen sich wieder zunehmend feindselig gegenüber.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow warf den USA vor, mit "gefährlichen einseitigen Schritten" zu versuchen, im Osten Syriens die Kontrolle zu bewahren. Dies sehe zunehmend nach Bemühungen aus, "einen Quasi-Staat auf einem großen Teil syrischen Territoriums vom Ostufer des Euphrats ganz bis zur Grenze des Irak" zu errichten, sagte Lawrow. Der Aufbau von Machtstrukturen, die unabhängig von der syrischen Regierung seien, untergrabe die territoriale Integrität Syriens. Auf den US-Angriff ging er dabei nicht allerdings nicht konkret ein.

Russische Fachleute beurteilen den Angriff und die Opfer unter den russischen Söldnern als Skandal. Seit dem Vietnamkrieg sei es nicht mehr vorgekommen, dass amerikanische und russische Soldaten einander getötet hätten,  kommentierte der Außenpolitikexperte Wladimir Frolow. Die russische Regierung wolle den Fall vor der Präsidentenwahl am 18. März offenbar mit Schweigen übergehen. Der Militärexperte und Generaloberst Leonid Iwaschow warf den USA vor, der Angriff sei gezielt gewesen.