Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hält die Spannungen mit der EU für die Folge eines Missverständnisses. Der ZEIT sagte er, Grund für die schlechteren Beziehungen zwischen Warschau und Brüssel seien nicht die umstrittenen Reformen in der polnischen Justiz. Vielmehr sei der Grund für die Verstimmung ein Kommunikationsproblem: Polen habe sich nicht gut erklärt.

Hätten sich die Polen nur besser erklärt, sagt Morawiecki, würden die Veränderungen, die die Regierung am Rechtssystem vornehme, "von unseren Ansprechpartnern wie der Europäischen Kommission, da bin ich mir fast sicher, gelobt werden".

Obwohl die EU die Unabhängigkeit der polnischen Justiz nach zahlreichen Gesetzesänderungen bedroht sieht und ein Sanktionsverfahren eingeleitet hat, werde sein Land dem Druck aus Brüssel nicht nachgeben und an den beschlossenen Reformen festhalten, sagte Morawiecki – "weil wir sie für notwendig halten". Sollte die EU Polen aufgrund der beschlossenen Reformen das Stimmrecht im Ministerrat entziehen, sei das "ein sehr trauriger Moment für Europa", kommentiert Morawiecki dieses Szenario.

EU habe Druck wegen Jerusalem-Entscheidung ausgeübt

Die weltweite Aufregung über das Holocaust-Gesetz der polnischen Regierung, das die Erwähnung einer polnischen Mittäterschaft am Holocaust unter Strafe stellt, weist Morawiecki zurück. Auch sie beruhe auf mangelhafter Kommunikation: "Der Artikel (des Holocaust-Gesetzes) spricht vom polnischen Staat, von der polnischen Nation insgesamt", sagt er. Es ginge nicht darum zu leugnen, dass Menschen Dinge getan haben. Im Gegenteil: Es müssten "hinreichende Forschungen über die historische Wahrheit" angestellt werden. 

Auf die Frage des Autors Tuvia Tenenbom, der Morawiecki in Warschau getroffen hat, ob Jerusalem die Hauptstadt Israels sei, antwortet der Politiker: "Was ich persönlich glaube, kann ich nicht öffentlich sagen." Vonseiten der EU sei Druck auf ihn ausgeübt worden, deshalb habe er sich bei der Abstimmung in der UN-Vollversammlung über die amerikanische Entscheidung enthalten.