Nach dem Rücktritt des niederländischen Außenministers hat sich Regierungschef Mark Rutte einem Misstrauensvotum im Parlament stellen müssen. Der Antrag des rechtspopulistischen Politikers Geert Wilders wurde aber mit großer Mehrheit zurückgewiesen. 101 Abgeordnete stimmten dagegen, nur 43 Parlamentarier votierten dafür. Ruttes Vier-Parteien-Koalition hat nur eine Ein-Stimmen-Mehrheit im Parlament. Wilders, Chef der islamfeindlichen niederländischen Freiheitspartei (PVV), hatte seine Forderung nach einem Misstrauensvotum damit begründet, dass es "inakzeptabel" sei, dass der Ministerpräsident die Abgeordneten nicht über den Skandal um seinen bisherigen Außenminister informiert habe.

Der niederländische Außenminister Halbe Zijlstra hatte kurz zuvor seinen Rücktritt im Parlament bekannt gegeben. Zuvor hatte er zugegeben, über eine Begegnung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gelogen zu haben. Zijlstra hatte behauptet, 2006 im Ferienhaus von Putin gewesen zu sein, als dieser auf die Frage nach seiner Definition von Großrussland gesagt haben soll: "Das ist Russland, Weißrussland, die Ukraine und die baltischen Staaten." Der Zeitung de Volkskrant hatte Zijlstra gesagt, dass er dies nicht selbst gehört habe.

Zijlstra argumentierte, mit der Lüge habe er den damaligen Chef des Ölkonzerns Shell, Jeroen van der Veer, schützen wollen, der ihm von dem Gespräch mit Putin erzählt habe. Die Äußerungen von Putin seien geopolitisch so wichtig, dass er darüber nicht habe schweigen wollen. Ministerpräsident Rutte bezeichnete die Lüge seines Ministers als "schweren Fehler", sagte jedoch auch, dass er die Geschichte für im Kern wahr halte.

Eingeständnis Zijlstras kommt zu schwierigem Zeitpunkt

Allerdings sagte van der Veer der Zeitung de Volkskrant,dass Zijlstra falsch zitieren würde. Putin habe nur im historischen Sinne über ein Groß-Russland gesprochen. Er halte zwar Zijlstras Interpretation, dass "das aktuelle Russland gern mehr oder viel Einfluss auf das ehemalige Großrussland hätte, für logisch", zitierte die englischsprachige NL Times aus der E-Mail von van der Veer an den Volkskrant. Allerdings sei diese aggressive Interpretation nicht auf ihn oder seine Worte zurückzuführen.

Das Eingeständnis Zijlstras kam zu einem schwierigen Zeitpunkt: Für Dienstag war ein Treffen des niederländischen Außenministers mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Moskau geplant. Dieses wurde angesichts der Umstände aber abgesagt. 

Das Verhältnis der Niederlande zu Russland ist durch den Abschuss von Passagierflug MH17 im Jahre 2014 angespannt. Die Maschine war von einer russischen Buk-Rakete über der Ostukraine abgeschlossen worden. Die meisten Opfer waren Niederländer. Die Niederlande werfen Russland vor, Lügen über die Katastrophe zu verbreiten.