Vor dem Besuch von US-Außenminister Rex Tillerson in der Türkei verschärfen sich die Spannungen der beiden Staaten. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan warnte die US-Truppen in Manbidsch davor, einem möglichen türkischen Angriff auf die Kurdenmiliz YPG in der nordsyrischen Stadt im Wege zu stehen. Vor der Fraktion seiner Partei AKP sagte er, in dem Fall müssten die amerikanischen Soldaten mit einer "osmanischen Ohrfeige" rechnen.

Natürlich würden die türkischen Soldaten nicht absichtlich auf Mitglieder der YPGzielen, sagte Erdoğan. "Aber wir verkünden jetzt schon, dass wir jeden Terroristen, den wir sehen, vernichten und ausmerzen werden – angefangen mit denen, die direkt neben ihnen stehen. Eben dann werden sie einsehen, dass es für sie besser wäre, wenn sie sich nicht neben den Terroristen aufhielten, denen sie auf die Schulter klopfen." 

Die Situation in Syrien

Quelle: IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Erdoğan fügte hinzu: "Es ist ganz klar, dass diejenigen, die sagen 'Wir reagieren hart, wenn sie uns angreifen', in ihrem Leben noch keine osmanische Ohrfeige verpasst bekommen haben." Die New York Times hatten vergangene Woche US-General Paul Funk zitiert: "Wenn Ihr uns angreift, werden wir hart reagieren. Wir werden uns verteidigen."

Kampf gegen den IS

Die türkische Armee hat am 20. Januar eine Offensive gegen die YPG in der nordsyrischen Region Afrin begonnen. Erdoğan hat mehrfach damit gedroht, danach die YPG in Manbidsch anzugreifen. 2016 hatte eine von der YPG geführte und von den USA unterstützte Koalition Manbidsch von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) befreit. 

Erdoğan kritisiert, dass die USA die YPG unterstützen und im Kampf gegen den IS eng mit der Kurdenmiliz zusammenarbeiten. Die Türkei stuft die YPG als Terrororganisation ein. Die Kurdenmiliz unterhält enge Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die auch in den USA auf der Liste der Terrororganisationen steht. 

Tillerson, der momentan an der Geberkonferenz für den Wiederaufbau des Irak teilnimmt und am Donnerstag nach Ankara reist, sagte mit Blick auf den Türkei-Einsatz in Nordsyrien, die USA seien beunruhigt über die dortigen Ereignisse. "Wir rufen alle Parteien auf, sich weiter darauf zu konzentrieren, den IS zu besiegen."