Die US-Regierung von Präsident Donald Trump will das Atomwaffenarsenal des Landes modernisieren und setzt dabei auf neue Nuklearwaffen mit geringerer Sprengkraft. Diese sogenannten Mini-Nukes sollen laut eines Berichts des Pentagons vor allem zur Abschreckung Russlands dienen, demgegenüber man eine härtere Haltung einnehmen will. Die Regierung will nach eigenen Angaben eine "kleine Zahl" existierender Atomsprengköpfe von U-Boot-gestützten Langstreckenraketen umrüsten, um über eine Variante mit geringerer Sprengkraft zu verfügen.  

Das Pentagon argumentiert in dem 75-seitigen Abschlussbericht zur "Überprüfung der nuklearen Situation", die Trump vor einem Jahr in Auftrag gegeben hatte, dass die strategischen Atomwaffen mit ihrem gigantischen Zerstörungspotenzial zur Abschreckung nicht ausreichten. Russland setzt demnach womöglich darauf, dass die USA diese Waffen niemals einsetzen würden – da das Risiko wegen eines zu befürchtenden atomaren Gegenangriffs von ähnlicher Dimension und der damit drohenden Vernichtung von großen Teilen der Menschheit zu hoch sei.

Deshalb sollen die neuen kleinformatigen Atomwaffen das Abschreckungspotenzial des US-Atomwaffenarsenals erhöhen. Rivalisierenden Staaten wie Russland oder auch China werde dadurch ihr "irregeleitetes Vertrauen" genommen, dass sie bei einem Einsatz ihrer eigenen kleinen Atomwaffen nicht mit einem atomaren Gegeneinsatz der USA rechnen müssten.

Kritiker befürchten, dass nun ein neues atomares Aufrüsten stattfinden könnte. Außerdem gab es Berichte, dass das Pentagon mit den neuen Atomwaffen die Schwelle für den Einsatz absenken wolle. Experten weisen zusätzlich darauf hin, dass die USA bereits Atomwaffen mit vergleichsweise begrenzter Sprengkraft in ihrem Arsenal haben. Dabei handelt es sich um die 150 B-61-Bomben, die in Europa gelagert sind.

Mehrere Regierungsvertreter sagten bei einer Pressekonferenz, dass die USA Atomwaffen nur unter "extremen Umständen" einsetzen würden. Man sei aber zu dem Schluss gekommen, dass man flexiblere Typen von Atomwaffen brauche, um die Strategie der Abschreckung zu untermauern.

Auch die sogenannten Mini-Nukes haben eine enorme Sprengkraft von bis zu 20 Kilotonnen. Die Atombomben, die am Ende des Zweiten Weltkrieges über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden, hatten eine Sprengkraft von etwa 15 bis 20 Kilotonnen und wären nach heutiger Definition als Mini-Nukes einzuordnen.