Der Machtwechsel in Südafrika ist vollzogen: Das Parlament in Kapstadt hat den Vorsitzenden der Regierungspartei ANC, Cyril Ramaphosa, zum neuen Staatschef gewählt. Einen Tag zuvor war der langjährige Staatschef Jacob Zuma nach langem Zögern zurückgetreten. Zuma war in mehrere Korruptionskandale verwickelt. Der Afrikanische Nationalkongress (ANC), einst führende Bewegung gegen die Apartheid, stellt seit 1994 die Regierung.

Da es im Parlament keinen Gegenkandidaten gab, gilt der 65-jährige Ramaphosa ohne Abstimmung gewählt, wie der Präsident des südafrikanischen Verfassungsgerichts, Mogoeng Mogoeng, erklärte. Er leitete die Sitzung des Parlaments in Kapstadt. Nach der Wahl wurde im Parlament applaudiert und gesungen. Eine kleinere Oppositionspartei hatte das Plenum aus Protest verlassen.   

Der aus dem Township Soweto stammende Ramaphosa ist Multimillionär und ehemaliger Gewerkschaftsführer. Er hatte 1982 die Bergarbeitergewerkschaft NUM gegründet, die mit Streiks gegen die weißen Herrscher aufbegehrte. 2012 forderte er als Mitglied des Aufsichtsrats des Minenbetreibers Lonmin selbst ein hartes Vorgehen gegen Streikende. Als Präsident will er nach eigenen Angaben vor allem die Wirtschaft ankurbeln und gegen Korruption vorgehen. Ramaphosa hatte bereits in den Neunzigerjahren als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge des Anti-Apartheid-Kämpfers Nelson Mandela gegolten. Doch Thabo Mbeki setzte sich innerhalb der Regierungspartei ANC durch und wurde Präsident. Ramaphosa ging in die Wirtschaft und wurde dort reich.

Zuma streitet alle Vorwürfe ab

Sein Vorgänger Zuma hatte neun Jahre lang Südafrika regiert. Nach mehreren Korruptionsvorwürfen hatte seine eigene Partei ihm zuletzt das Vertrauen entzogen. Der ANC wollte ursprünglich am Donnerstag ein Misstrauensvotum im Parlament erwirken. Daraufhin war Zuma am Mittwochabend zurückgetreten und damit einer Amtsenthebung zuvorgekommen. "Ich habe dem Volk von Südafrika nach meinen besten Kräften gedient", hatte er in einer Fernsehansprache gesagt. Er sei "für immer dankbar", dass ihm das höchste Staatsamt im Land anvertraut worden sei. 

In seiner halbstündigen Rede wies Zuma die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und kritisierte seine eigene Partei. Er fürchte sich nicht davor, die Macht abzugeben, beteuerte Zuma. Er habe seine Partei lediglich aufgefordert, "meine Übertretungen zu nennen und den Grund für ihre Weisungen, dass ich das Amt aufgebe".

Zuma war erstmals im Jahr 2009 zum Präsidenten gewählt worden. Seine Amtszeit war von zahlreichen Korruptionsskandalen überschattet. Außerdem wird der 75-Jährige für die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes verantwortlich gemacht. Regulär hätte seine Amtszeit 2019 geendet. Der ANC befürchtete aber, bei einer Wahl wegen Zumas Unbeliebtheit abgestraft zu werden, und übte daher zuletzt Druck auf ihn aus.

Am Dienstag hatte der ANC Zuma öffentlich zum Rücktritt aufgefordert. Das Exekutivkomitee der Regierungspartei beschloss die "Abberufung" des Präsidenten, ohne ihm aber eine konkrete Frist für einen Rücktritt zu setzen. Dieser verfassungsrechtlich nicht bindenden Entscheidung des Exekutivkomitees leistete Zuma nicht Folge. Daher beraumte der ANC ein verbindliches Misstrauensvotum im Parlament an. Die Opposition hatte in den vergangenen Jahren acht Misstrauensanträge gestellt, die allerdings allesamt von den ANC-Abgeordneten abgeschmettert worden waren.

Der Chef der Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA), Mmusi Maimane, erklärte nach Zumas Rücktritt, er freue sich "mit allen Südafrikanern, dass das lange und schmerzhafte Jahrzehnt der Präsidentschaft Zuma endlich an sein Ende kommt". Zuma habe Südafrika "sehr viel Leid" angetan, "fast bis zur Zerstörung unseres Landes".