Südafrika - Präsident Zuma tritt zurück Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma ist zurückgetreten. Seine Amtszeit war von Korruptionsvorwürfen überschattet. Neuer Regierungsschef wird Cyril Ramaphosa. © Foto: Themba Hadebe/AP/dpa

Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat den lange erwarteten Machtwechsel in dem Land eingeleitet: In einer Fernsehansprache erklärte er seinen sofortigen Rücktritt – unter dem Druck der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC), die zusammen mit der Opposition für diesen Donnerstag ein Misstrauensvotum im Parlament angesetzt hatte. Nachfolger soll der ANC-Vorsitzende Cyril Ramaphosa werden, der bereits am Freitag als neuer Staatschef vereidigt werden soll.

Opposition will Neuwahlen

Noch am Mittwochnachmittag hatte sich Zuma gegen seine Absetzung gewehrt. "Niemand hat mir eine Erklärung gegeben, was ich getan haben soll. Ich finde das unfair, sehr unfair", sagte der 75-Jährige, dessen zweite Amtszeit von Korruptionsskandalen und Misswirtschaft geprägt war. Das ANC-Exekutivkomitee hatte Zuma dann am Dienstag auch ultimativ aufgefordert, seinen Posten zugunsten von Ramaphosa zu räumen. Mit ihm, so hofft der seit dem Ende der Apartheid 1994 regierende ANC, werde das Ansehen der Partei wieder steigen.

Die größte Oppositionspartei des Landes, die Demokratische Allianz forderte den ANC auf, nun auch gegen Verbündete Zumas vorzugehen, die ebenso wie der langjährige Staatschef des Fehlverhaltens und Missmanagements verdächtigt werden. "Zuma hat ein tiefes System von Korruption aufgebaut, das jeden Teil der Regierung und der Kriminalverfolgung durchdrungen hat", kritisierte der Parteivorsitzende Mmusi Maimane. Das Land schaue nun auf Ramaphosa, damit dieser es vor einem Mann rette, den er und der ANC geschützt und unterstützt hätten. Maimane sprach sich für eine schnelle Auflösung des Parlaments und Neuwahlen aus.

Durchsuchung bei Zuma-Günstlingen

Unterdessen durchsuchten Polizisten Anwesen der mit Zuma geschäftlich verbundenen Familie Gupta. Sie soll ihre Beziehungen zum Präsidenten genutzt haben, um Einfluss auf die Besetzung von Kabinettsposten zu nehmen und Staatsaufträge zu bekommen. Sowohl die Guptas als auch Zuma streiten jegliches Fehlverhalten ab. Die Vorwürfe gegen Zuma werden allerdings auch von offizieller Seite, etwa der Antikorruptionsbehörde, erhoben, zum Beispiel im Zusammenhang mit der Renovierung seiner Villa im Jahr 2014, für die er 19 Millionen Euro an Steuergeldern ausgegeben haben soll. Eine Anklage gegen Zuma liegt bislang aber nicht vor.  

Zuma gehörte wie auch Nelson Mandela zu den Antiapartheidsaktivisten, die gegen das rassistische Minderheitsregime gekämpft hatten. Nach dem Umbruch in den 1990er-Jahren machte Zuma schnell Karriere – er wurde Minister, Vizepräsident und dann 2009 auch Staatschef.

Schwere Aufgaben für Ramaphosa

Seinem Nachfolger Ramaphosa gelang es bislang, von den Skandalen nicht belastet zu werden – auch wenn er seit Langem an der Staatsspitze aktiv ist, seit 2014 als Vizepräsident. Davor war auch er lange Jahre Antiapartheidsaktivist und stieg in den 1980er-Jahren zum wichtigsten Gewerkschaftsführer des Landes auf. Nach dem Ende der Apartheid galt er als Kronprinz von ANC-Chef Nelson Mandela, der 1994 Südafrikas erster demokratisch gewählter Präsident wurde. Als Mandela ihn bei der Nachfolge überging, zog sich Ramaphosa 1997 zunächst zurück. 

Nun warten große Herausforderungen auf ihn, als neuer südafrikanischer Präsident muss er das Land mit seinen rund 55 Millionen Einwohnern wirtschaftlich wieder auf Kurs bringen. Südafrika ist der am meisten entwickelte Staat des Kontinents. Allerdings sorgen nicht nur die Korruptionsenthüllungen, sondern auch die große Kluft zwischen Arm und Reich und eine Arbeitslosenquote von fast 28 Prozent für eine große Unzufriedenheit.