Die baden-württembergische Firma Krempel hat sich entsetzt über Bilder gezeigt, die Giftgasraketen der syrischen Armee zeigen sollen, die mit Material des Unternehmens gebaut wurden. Man könne sich nicht erklären, wie dieses Produkt nach Syrien gelangt sei, sagte ein Sprecher von Krempel.

Die Bilder waren zuvor von Aktivisten der Internetplattform Bellingcat veröffentlicht worden. Auf einem Teil der dargestellten Raketen ist das Logo des deutschen Unternehmens sowie die Aufschrift "Made in Germany" zu sehen. Laut Krempel handelt es sich bei dem betroffenen Material um Pressspan, das normalerweise zur Isolierung in Elektromotoren eingebaut werde. Die Firma liefert Pressspan nach eigenen Angaben in kleinen Mengen zum Weiterverkauf an örtliche Händler im Iran.

In diesem Fall sei wohl eine eine Scheibe ausgeschnitten und dann in die Rakete eingebaut worden, hieß es von Krempel. Man habe die aktuelle Lieferung in den Iran gestoppt und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) eingeschaltet.

Nach Informationen von Bellingcat und der Organisation Syrians for Truth and Justice (STJ) wurden in den vergangenen Wochen mindestens zweimal Raketen mit Chlorgas auf ein Rebellengebiet geschossen. In den Überresten dieser Raketen seien Produkte des deutschen Herstellers entdeckt worden, sagte der Gründer von Bellingcat, Eliot Higgins. 

Bei den mutmaßlichen Giftgasangriffen am 22. Januar und 1. Februar auf den Ort Duma waren zahlreiche Menschen verletzt worden. Duma liegt in der von Rebellen kontrollierten Region Ost-Ghuta, die seit Langem von Regierungstruppen eingeschlossen ist.

Higgins sagte, die verwendeten Raketen seien ursprünglich konventionelle Modelle gewesen. Dann seien sie aber für den Giftgaseinsatz umgebaut worden. Es lasse sich nicht sagen, in welchem Umfang das deutsche Material beim Bau von in Syrien eingesetzten Raketen benutzt werde.  

UN-Kommission untersucht möglichen Chlorgasangriff

Zuletzt hatte es mehrere Berichte gegeben, denen zufolge das syrische Regime erneut Giftgas eingesetzt hat. Am Montag debattierte der UN-Sicherheitsrat darüber, konnte sich aber nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen. Derzeit untersucht eine UN-Kommission, ob es in Duma sowie in der Stadt Sarakab in der Provinz Idlib einen Chlorgasangriff gegeben hat.

In Idlib und Ost-Gutha gibt es seit einigen Wochen verstärkte Kämpfe zwischen Regime und Rebellen. In Ost-Gutha starben seit Ende Dezember nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 390 Zivilisten durch Luftangriffe oder Artilleriebeschuss. Derzeit sind laut UN-Schätzungen etwa 400.000 Menschen weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Es mangelt an Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. Das Gebiet wird überwiegend von islamistischen Gruppen kontrolliert.