US-Außenminister Rex Tillerson hat die Türkei aufgerufen, den Kampf gegen den IS fortzusetzen und ihre Angriffe auf die Kurdenmiliz YPG in Syrien einzustellen. Die Operation gegen kurdische Einheiten in Afrin "hat unserem Kampf gegen den 'Islamischen Staat' im Osten Syriens geschadet", sagte Tillerson in Kuwait-Stadt, wo er an einer Hilfskonferenz für den Wiederaufbau des Irak teilnahm.

Tillerson: auf Kampf gegen IS konzentrieren

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) sind ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen den IS im Osten Syriens. 2016 hatte eine von der YPG geführte und von den USA unterstützte Koalition die Stadt Manbidsch vom IS befreit. Doch Recep Tayyip Erdoğan drohte anschließend mehrfach damit, die YPG in Manbidsch anzugreifen. Seine Regierung sieht die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und stuft sie als Terrororganisation ein. 

Um die YPG bei Afrin gegen türkische Angriffe zu unterstützen, die am 20. Januar begannen, hätten die USA Streitkräfte aus dem IS-Gebiet abziehen müssen, beklagte Tillerson. Er forderte die Türkei auf, sich auf die Dschihadisten zu konzentrieren. Zugleich räumte der US-Außenminister ein, die Türkei habe das Recht zu "Antiterroreinsätzen" an ihrer Grenze.

Die USA würden ihren Einsatz in Syrien fortsetzen, etwa durch die Ausbildung "lokaler Streitkräfte", sagte Tillerson. Sein Land werde alle Einsätze gegenüber der Türkei weiterhin "völlig transparent" machen. Die Türkei hatte die USA wiederholt dazu aufgefordert, ihre Zusammenarbeit mit der YPG einzustellen.

USA sehen "Sieg über den IS" in Gefahr

Tillerson will am Donnerstag nach Ankara reisen, um das künftige Vorgehen zu besprechen. Die Türkei müsse sich im Klaren darüber sein, welche Auswirkungen ihre Militäroffensive auf "unsere wichtigste Aufgabe, den Sieg über den IS", habe, mahnte er. Das Ende der großen Militäroperationen gegen den IS bedeute noch keine "dauerhafte Niederlage" der Miliz. Diese bleibe eine "schwere Gefahr für die Stabilität der Region, unserer Heimatländer und andere Teile der Welt".

Unterdessen trafen sich in Rom die Verteidigungsminister von 14 Staaten der Anti-IS-Koalition. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wer den in Syrien gefangenen ausländischen IS-Kämpfern den Prozess machen soll. An dem Treffen nahm auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) teil. Das US-Verteidigungsministerium erwartet, dass sich die jeweiligen Heimatländer mit den Hunderten Gefangenen befassen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die britische Regierung hingegen forderten Prozesse vor Ort.

"Es handelt sich um ein internationales Problem, und dieses muss von allen geregelt werden, die betroffen sind", sagte US-Verteidigungsminister Jim Mattis nach dem Treffen. Mittlerweile seien "Hunderte" ehemalige IS-Kämpfe aus dem Ausland in Syrien in Gefangenschaft. "Nichts zu tun, ist keine Option", sagte er.

Auch Idlib ist vollständig befreit

Im Dezember hatte der Irak den IS für besiegt erklärt, in Syrien hält die Dschihadistenmiliz allerdings noch kleine Gebiete. Am Dienstag ergaben sich 250 IS-Kämpfer und deren Familien, insgesamt etwa 400 Menschen, in der nordwestsyrischen Provinz Idlib, wie ein Sprecher der Rebellenmiliz Jaisch al-Nasr sagte. Die Miliz war mit anderen Rebelleneinheiten an den Kämpfen gegen den IS in der Stadt Al-Khowein beteiligt. Idlib sei damit vollständig vom IS befreit, sagte der Sprecher.