UN-Generalsekretär António Guterres hat eine unabhängige und transparente Untersuchung der Gewalt bei den Palästinenserprotesten im Gazastreifen gefordert. Guterres verlange Aufklärung darüber, wie Menschen getötet beziehungsweise verletzt wurden, sagte dessen Sprecher in New York. Dort traf sich auch der Weltsicherheitsrat. Deren Mitglieder baten beide Seiten um Zurückhaltung, eine gemeinsame Erklärung des wichtigsten UN-Gremiums kam jedoch nicht zustande.

Israel verteidigt Angriffe auf "Extremisten"

Am vergangenen Freitag waren bei Protestaktionen an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel nach palästinensischen Angaben mindestens 16 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Insgesamt versammelten sich entlang der 65 Kilometer langen Grenze Zehntausende Palästinenser und forderten ein Recht auf Rückkehr in jene Dörfer und Städte, aus denen ihre Familien bei der Gründung Israels 1948 flüchteten oder vertrieben wurden. Die israelische Armee schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 30.000. Die Protestaktion, die noch sechs Wochen andauern soll, fiel mit dem Karfreitag und dem Beginn des jüdischen Pessachfestes zusammen.

Zunächst versammelten sich wenige Hundert Meter vom Grenzzaun entfernt Familien mit Kindern. Provisorisch wurden Fußballfelder in den Sand gezeichnet, Musikgruppen spielten. Später ignorierten Hunderte junge Palästinenser den Appell von Organisatoren und der israelischen Armee, sich von der Grenze fernzuhalten. Nach Militärangaben griffen einige von ihnen die Anlagen mit brennenden Reifen an und bewarfen Soldaten mit Steinen.

Dem Gesundheitsministerium in Gaza zufolge wurden mindestens zwei Menschen durch Schüsse aus Panzern getötet. Nach israelischen Angaben handelte es sich dabei um Extremisten, die auf Soldaten jenseits des Grenzzaunes geschossen hatten. Die palästinensischen Behörden erklärten weiter, einer der Getöteten sei 16 Jahre alt gewesen. Mehr als 400 Menschen seien durch scharfe Munition verletzt worden.

Palästinenser begehen Tag der Trauer

Inzwischen rief der palästinensische Präsident Mahmud Abbas für diesen Samstag einen eintägigen nationalen Trauertag zu Ehren der Getöteten aus. Nach Angaben seiner regierenden Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) sollen Schulen, Universitäten und öffentliche Einrichtungen geschlossen bleiben. Zugleich rief er die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf. Ein Sprecher der jordanischen Regierung machte Israel für die Gewalteskalation verantwortlich. Das Fehlen einer Perspektive für eine gerechte Lösung für die Palästinenser schaffe Verzweiflung, die zu Extremismus und weiterem Blutvergießen führe, sagte er.

Israels Botschafter Danny Danon erklärte dagegen, die internationale Gemeinschaft dürfe nicht getäuscht werden. Bei den Protesten handele es sich um "eine gut organisierte und gewalttätige Terrorzusammenkunft" unter dem Deckmantel eines friedlichen Marsches. Die israelische Armee warf der Hamas vor, Frauen und Kinder an die Grenze zu schicken und deren Leben bewusst zu gefährden. Die Streitkräfte setzten in dem Gebiet nach eigenen Angaben mehr als 100 Scharfschützen ein und hoben Erdwälle aus, um Grenzdurchbrüche zu verhindern.

Die Vereinten Nationen fürchten, dass sich die Situation in den kommenden Tagen noch verschlimmern könnte. Der stellvertretende Untergeneralsekretär für politische Angelegenheiten, Tayé-Brook Zerihoun, ermahnte die Regierung in Jerusalem, ihre Verantwortung unter humanitärem Recht aufrechtzuerhalten. Tödliche Gewalt dürfe nur als letztes Mittel angewandt werden. Zivilisten dürften nicht zum Ziel werden, vor allem keine Kinder.