In Brasilien hat die Ermordung einer linken Kommunalpolitikerin Entsetzen ausgelöst. In mehreren Städten des Landes wurden Demonstrationen angekündigt, nachdem die 38-jährige Marielle Franco am Mittwoch in Rio de Janeiro in ihrem Auto erschossen wurde. Sie befand sich auf dem Rückweg von einer Veranstaltung für die Rechte schwarzer Frauen.

Nach Medienberichten gehen die Ermittlungsbehörden von einem Anschlag aus, da es keine Anzeichen für einen Raubüberfall gebe. Der Wagen Francos wurde den Angaben zufolge gegen 21.30 Uhr Ortszeit von einem anderen Fahrzeug gestoppt. Mindestens acht Schüsse seien auf ihn abgegeben worden. Auch Francos Fahrer erlag seinen Schussverletzungen; eine Assistentin überlebte. Die Täter flüchteten. Niemand bekannte sich zunächst zu der Tat. 

Vor wenigen Tagen hatte die Politikerin in sozialen Netzwerken einen Mord an zwei Jugendlichen in der Favela Acari angezeigt. Sie beschuldigte die Landespolizei Policia Militar (PM), dafür verantwortlich zu sein. Am Dienstag postete sie Informationen über einen weiteren Mord an einem Jugendlichen, angeblich durch die PM. "Wie viele müssen noch sterben, bevor dieser Krieg endet?" schrieb sie darunter.

Korruptionsproblem bei der Polizei

Viele Polizisten der PM gelten als korrupt. Eines der Ziele der Militärintervention ist deshalb, gegen Korruption in Rios Polizei vorzugehen. Der erst seit wenigen Tagen amtierende Minister für Innere Sicherheit, Raul Jungmann, bot noch in der Nacht von Francos Ermordung dem General, der die Intervention führt, Hilfe der Bundespolizei bei den Ermittlungen an. Die brasilianische Regierung kündigte eine Untersuchung der Tat an.

Franco saß für die linke Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL) im Stadtrat. Bei den Kommunalwahlen 2016 hatte sie in Rio das fünftbeste Ergebnis aller Kandidaten erreicht. Sie leitete die Menschenrechtskommission, die die Mitte Februar gestartete Intervention des Militärs in Rio überwachte. Die Politikerin, die selbst aus dem Armenviertel Mare stammte, einem der gewalttätigsten Viertel Rios, sah das Vorgehen der Polizei in den Favelas und die Anordnung von Präsident Michel Temer, die Armee zur Bekämpfung der Gewalt in Rio einzusetzen, kritisch.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine lückenlose Aufklärung des Mordes an Franco. Nach Angaben der PSOL hatte es zuletzt keine Drohungen mehr gegen die Politikerin gegeben.