Katalonien - Carles Puigdemont in Deutschland festgenommen Der frühere katalanische Regionalpräsident ist an der deutsch-dänischen Grenze festgenommen worden. Grundlage für die Festnahme sei ein Europäischer Haftbefehl gewesen, erklärte die Polizei. In Spanien läuft ein Strafverfahren gegen Puigdemont. © Foto: Fabian Bimmer/Reuters

Der frühere Regionalpräsident von Katalonien, Carles Puigdemont, ist an der deutsch-dänischen Grenze festgenommen worden. Beamte der Autobahnpolizei hätten Puigdemont auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls am Sonntagvormittag auf der A7 in Höhe der Stadt Jagel festgenommen. Das sagte Puigdemonts Anwalt Jaume Alonso-Cuevillas der spanischen Zeitung El País.

Puigdemont war mit vier weiteren Personen auf der Rückreise von Finnland nach Belgien, wie sein Sprecher Joan Maria Piqué bestätigte. Die Polizei habe ihn in die Justizvollzugsanstalt Neumünster gebracht.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein bestätigte die Festnahme. "Herr Puigdemont befindet sich derzeit in polizeilichem Gewahrsam", sagte der schleswig-holsteinische Vizegeneralstaatsanwalt Ralph Döpper. Die Behörde prüfe, wie lange Puigdemont auf Basis des Europäischen Haftbefehls in Gewahrsam bleiben könne.

Am Montag soll Puigdemont dem zuständigen Amtsgericht vorgeführt werden. Zweck sei der Erlass einer gerichtlichen Festhalteanordnung, teilte Döpper weiter mit. Die Vorführung diene allein der Überprüfung der Identität. "Wir stehen ganz am Anfang der Prüfung."

Döpper machte auf Nachfrage keine Angaben dazu, wie genau es zur Festnahme durch Einsatzkräfte der Autobahnpolizei kam und wo genau sich der Politiker am Sonntagnachmittag aufhielt. "Wir hatten nur die Erkenntnisse, dass er sich in Deutschland aufhalten soll beziehungsweise einreist."

Puigdemont erwägt offenbar Asylantrag

Der festgenommene Separatistenführer erwägt nun offenbar, einen Asylantrag in Deutschland zu stellen. Dies berichteten die Kieler Nachrichten unter Berufung auf Justizkreise. "Sollte er dies tun, wird der Asylantrag wie jeder andere vom Bundesamt für Migration (Bamf) geprüft werden", sagte ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Innenministeriums der Zeitung.

Allerdings stünden die Chancen für eine Bewilligung des Antrags nicht gut: "Strafverfolgung beziehungsweise die Vollstreckung eines Europäischen Haftbefehls hat Vorrang vor einem Asylverfahren", sagte der Sprecher weiter. Letztlich obliege die Entscheidung aber der Generalstaatsanwaltschaft und dem Bundesamt.

Spanischer Geheimdienst unterstützte die Polizei

Puigdemonts belgischer Anwalt Paul Bekaert rechnet derweil mit einer Freilassung unter Auflagen. Puigdemont habe sich bewusst für das Auto entschieden, um Kontrollen an den Flughäfen zu vermeiden, sagte Bekaert. Wahrscheinlich sei er nicht bei einer Routinekontrolle abgefangen worden. Vielmehr sei die deutsche Polizei wohl von ihren spanischen Kollegen vorgewarnt worden, sagte der Anwalt, der nach eigenen Angaben Puigdemont weiter vertritt.

Aus spanischen Polizeikreisen wurde bekannt, dass der spanische Geheimdienst bei der Festnahme geholfen hätte. Die spanische Generalstaatsanwaltschaft erklärte, sie stehe in Kontakt mit ihren deutschen Amtskollegen, um eine Auslieferung Puigdemonts zu erwirken.